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Das Parfum: Duft und Emotion

Es gibt kein Dufterlebnis, das uns kalt lässt. Jeden Duft qualifizieren wir sofort von himmlisch anziehend bis unterirdisch eklig. Wir gehen der Nase nach und finden jemanden stinklangweilig oder schlimmer, können ihn gar nicht riechen, dann wieder werden wir berauscht vom Duft des Flieders im Frühling und jedes Jahr erinnert uns der Weihnachtsduft an unsere Kindheit.

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Damals, als sich in grauer Vorzeit der homo erectus aufrichtete und seine Nase in die Luft streckte, war es eigentlich schon längst passiert: Das Riechorgan des Menschen war bereits festgelegt und verdrahtet, der Mensch hatte schon einen ausgeprägten und hoch sensitiven Nahsinn (Geruch und Geschmack) während zu dieser Zeit der Fernsinn (Hören und Sehen) erst begann sich zu verfeinern.

Die Physiologie des Riechens

Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung können wir Menschen ganz gut riechen. Wir nehmen zwar Gerüche nicht in so geringen Konzentrationen wahr wie zum Beispiel ein Hund, können dafür aber etwa 10 000 Düfte  unterscheiden und nach entsprechendem Training die allermeisten auch benennen! Dass das so gut klappt liegt an dem Aufbau und der nervösen Verschaltung des Geruchsinns. Die Riechhaare im oberen Bereich des Nasenraumes, dem olfaktorischen Bulbus, haben eine direkte Verbindung zum Hirn. Die Riechreize werden dabei sozusagen „uncodiert“ in das Limbische System weitergeleitet und in dem nebenan liegenden Hypothalamus gespeichert. Man nimmt an, dass das daran liegt, weil das Riechsystem auch als Warnsystem mit raschen Schutzreflexen funktioniert hat. Umgekehrt funktioniert auch die Erinnerung, die von Düften ausgelöst wird, unbewusst und spontan.

Komm, ich atme Seelendüfte….

Es gibt keine Alltagssituation, die nicht irgendwie von Geruch begleitet wird. Das klingt profan und wird in der Literatur natürlich viel schöner „verarbeitet“. Es muss nicht gleich der Held Grenouille aus Süßkinds Roman „Das Parfum“ sein, der versucht den Duft der Unschuld zu gewinnen. Seit Menschen schreiben können, bringen sie  Duft, Erinnerung und Verlangen mal poetisch mal drastisch zu Papier. Marcel Proust erinnerte sich bei Madeleines und Lindenblütentee, Walter von der Vogelweide wusste ebenfalls um den berauschenden Duft dieser Blüten und der persische Dichter Hafis atmete den betörenden Blütenduft seiner Geliebten ein, den Meistersingern wird es beim Fliederduft wohl. Doch von da ist es nicht weit bis zur Bewusstseinsveränderung, die durch den Rauch von verbranntem Cannabis hervorgerufen wird.

Duft und Aromatherapie

Dass Duft außer Erinnerungen noch andere Dinge hervorrufen kann, ist schon lange bekannt und vielen Düften wird auch eine heilende Wirkung zugeschrieben, wie eben auch dem Duft von Cannabis. Dabei ist die Grenze zwischen Duft und Droge oft fließend. Viele Untersuchungen wurden gemacht, um der physiologischen Wirkung von Duft auf die Spur zu kommen, nicht immer mit Erfolg. Dennoch kann man sagen, dass Lavendelduft beruhigend wirkt, Jasmin anregend und antidepressiv, Muskatnuss stresslindernd und Pfefferminze erfrischend. Im Gegensatz dazu hat man es bei der Aromatherapie mit einer direkten biochemischen Wechselwirkung von Duftstoffen mit körpereigenen Rezeptoren zu tun. Die Duftmoleküle lösen eine pharmakologische Wirkung aus. Bekannt hierfür sind z.B. Lavendelöl und Eukalyptol. Dabei ist die Wahrnehmung über die Nase nicht unbedingt erforderlich, denn öllösliche Moleküle können über die Haut aufgenommen werden.

Duft der Leidenschaft

Außer einer pharmakologischen Wirkung, können Duftmoleküle auch Informationen übertragen. Die Wahrnehmung dieser chemischen Botenstoffe, Pheromone, erfolgt über das vomeronasale Organ, das bei Tieren gut ausgeprägt, beim Menschen jedoch allenfalls verkrüppelt vorhanden ist. Man geht davon aus, dass ein Teil dieser Funktionen vom Riechsinn mit übernommen werden. In der Praxis heißt das, dass auch Menschen von Pheromonen beeinflusst werden können und umgekehrt  leiden Menschen, die ihren Riechsinn verloren haben, häufig unter sexueller Unlust. Doch was riechen wir denn da? Menschen können Steroide, die im menschlichen Schweiß vorkommen wahrnehmen. Besonders wichtig sind das Androstenon, das etwas urinig riecht, und  das Androstenol, das einen sandelholzigen moschusartigen Ton hat. Pikanterweise wirken diese Stoffe auch bei Schweinen und werden bei der Schweinezucht vor der künstlichen Besamung eingesetzt.

Weihrauch, Mhyrre, Gold

Düfte und vor allem duftende Substanzen waren schon in der Antike ein begehrtes Handelsgut. In der Bibel wird z.B. von der Nardensalbe gesprochen, einem extrem wohlriechenden Extrakt der Wurzel einer Baldrianart aus dem Himalaya. Sie war in der Antike auch bei Griechen und Römern sehr beliebt. Die meisten Düfte wurden aber erzeugt, indem man duftende Hölzer oder Harze verbrannte. Der dabei entstehende Duft war wahrscheinlich nicht nur gut gegen Insekten, sondern benebelte im wahrsten Sinne auch die Sinne der Menschen. Sie waren wertvoll wie Gold und dienten als Geschenke, die man Königen darbrachte. Wie eben auch damals in Bethlehem, aber das ist eine andere Geschichte.

Foto: ©istockphoto.com/SKapl

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 11. Dezember 2012
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 4266 mal gelesen.

2 von 2 Pinkmelianern fanden den Beitrag hilfreich.

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