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Das Patent: Innovation im Kosmetiktiegel

Ist „neu“ auch „gut“? Ist „neu“ auch immer ein Patent wert? Und was kann man denn überhaupt noch patentieren? Gibt es nicht alles irgendwie schon? Gerade im Zuge aller möglichen Diskussionen über Plagiate mögen einem diese Gedanken kommen. Auch ich dachte früher, man könne doch in der Kosmetik gar nichts mehr „erfinden“. Doch die Ideen kommen dann, wenn man sich mit der Materie beschäftigt und dann „Heureka!“…..

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„Jetzt NEU!“ , „Neue Formel“ oder gar „Patentierte Weltneuheit!“ Das alles sind Slogans, die uns immer wieder auf Shampooflaschen oder Hautpflegeprodukten überraschen. Ja, ein Patent, schön und gut, aber ist das nicht eher so was wie ‘ne Glühbirne, eine Superpille oder vielleicht ein 3D-Drucker? Patentierte Kosmetika? Geht auch.

Ideen patentieren

Die Idee steht immer am Anfang einer Erfindung. Ob sie sich dann auch tatsächlich vermarkten lässt und richtig viel Geld einbringt, steht auf einem anderen Blatt. Zunächst muss man sie dafür aber beim Patentamt anmelden. Und das ist erstmal ein formaler Akt und erfolgt in Deutschland über das Patent- und Markenamt: http://www.dpma.de/patent/anmeldung/index.html. In großen Firmen wird das üblicherweise über die Patentabteilung erledigt und der/die Erfinder können sich auf ihre eigentliche Forschungsarbeit konzentrieren.

Neuheit und Stand der Technik

Die Fachleute unterscheiden zwischen Erfindungen und Entdeckungen. Entdeckungen, sind Dinge, die schon vorhanden sind, aber noch nicht bekannt waren, z.B. Amerika oder dass die Erde eine Kugel ist. Erfindungen müssen immer neu sein. Das an sich ist schon gar nicht so leicht, denn diese Neuheit muss sich vom sogenannten Stand der Technik unterscheiden, also weiterführend sein. Und dieser Stand der Technik hat es in sich. Das muss kein anderes Patent sein, das kann jedes Buch, jeder Zeitungsartikel sein, der diese Idee schon vorwegnimmt. Und es gibt Erfinder, die an Donald Duck gescheitert sind (Helmut Sonn, Peter Pawloy, Daniel Alge: „Patentwissen leicht gemacht. Wer schützt Daniel Düsentrieb?“)…. Auch muss die Erfindung erfinderisch sein, also die Idee nicht naheliegend.

Patente für Kosmetika im Wesentlichen A61K8

Aber wo sind sie den nun, die Patente für Kosmetika? Man findet sie in den sogenannten Patentklassen, einer Unterteilung aller technischen Bereiche, denen die Patente zugeordnet werden. Das macht Sinn, denn man möchte ja nicht Mähdrescher finden, wenn man nach Keramik oder Zahnseide sucht. Kosmetika finden sich unter A (täglicher Lebensbedarf) 61 (Medizin, Tiermedizin, Hygiene) K (Zubereitungen für medizinischen, zahnärztlichen oder kosmetischen Gebrauch) 8 (Kosmetika) 1-99 (weitere Detailierung). Mit dieser Klassierung „A61K8“ kann man zum Beispiel in der Datenbank des Europäischen Patentamtes suchen und findet dann die neuesten Anmeldungen im Bereich der Kosmetik – europaweit! http://worldwide.espacenet.com/advancedSearch?locale=en_EP

Was versteckt sich unter der Patentnummer?

Patente werden in (fast) allen Ländern dieser Welt erteilt und so vielfältig wie diese Welt ist auch der Aufbau der Patentnummer. Eine Patentnummer setzt sich (in der Regel) aus einem Länderkürzel, manchmal dem Anmeldejahr und einer laufenden Nummer zusammen. WO steht  für „World“, EP für „Europa“, DE für „Deutschland“ usw. Beispiele sind: WO9618381, EP0974338, EP1421853, dahinter steht ein Buchstabe A = angemeldet, B = erteilt.

Innovationen und Patente

Innovationen sind die Triebkraft technischer Entwicklungen und des Markterfolges eines Produktes. So ist es nur logisch, dass Firmen sich diesen Vorsprung möglichst lange und exklusiv sichern wollen: eben durch ein Patent. Nicht alle Innovationen allerdings werden auch patentiert, viele aber eben doch: Ob es sich nun um das neue Antioxidanzsystem handelt, das gegen Falten wirkt, eine neue Applikationsform, die den Auftrag von Mascara verbessert  oder die Stabilisierung von Vitamin C in einer wasserfreien Grundlage. Das bietet auch den Verbrauchern Vorteile, denn sie bekommen Produkte, die es so noch nicht gab. Und natürlich suggeriert der Hinweis mit dem Patent auf der Verpackung:  Hier – und nur hier – bekommst du etwas Einzigartiges!
Doch, wie das Leben so spielt und wie es übrigens auch in der Idee der Patente liegt: es wird weiter geforscht und neues, anderes entwickelt und so der technische Fortschritt immer weiter voran getrieben. Aber ist neu nun auch gut? Das entscheiden letztendlich wir mit unserem Kaufverhalten. – Und dann gibt es noch die Klassiker, die nahezu unverändert schon über Jahre im Regal stehen und noch immer gekauft werden.

Ohne Moos nichts los

Erfinder sind reich? Meistens nicht, denn alleine die Anmeldung einer Idee zum Patent kostet schon Geld. Teuer aber wird es, ein angemeldetes Patent aufrecht zu halten und echt kostspielig, wenn man es internationalisiert oder gar erteilen lässt. So kostet die Aufrechterhaltung der Anmeldung für ein Patent mit 10 jähriger Laufzeit (maximal sind 20 Jahre möglich) in Europa in acht Staaten im Durchschnitt fast 30.000 EUR! Da wundert es nicht, wenn viele Patente über die Zeit „verfallen“ und zum frei nutzbaren Stand der Technik werden.

Foto: © de.wikipedia.org

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 27. November 2012
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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