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Erst Hilfe für Haut-Notfälle

Wah! Was war das? Ein Monster blickte mir aus dem Spiegel entgegen. Frankensteins Braut! Und nicht nur, dass meine Augen verquollen waren, das Gesicht war es auch – und dann noch ungleichmäßig! Ausgerechnet heute, wo ich einen Termin beim Fotografen hatte! Der juckende rote Ausschlag setzte sich auf dem ganzen Körper fort. Jetzt konnte nur noch eines helfen. Meine Notfallapotheke.

Ich glaube, jede hat eine Notfallapotheke. Und natürlich ist sie auch bei jeder anders bestückt. Bei mir sind drin: Pflaster (Küchenunfälle), Panthenolsalbe (Unfälle beim Schneiden der Fingernägel, Nagelhaut), ein antibiotisch wirkendes Gel (Niednagel), Betaisodonasalbe (Unfälle aller Art, die mit Verletzung der Haut einhergehen) und meine Salbe mit einem Antihistamin. Letztere Packung ist besonders groß und wird immer dann gebraucht, wenn ich mal wieder etwas im Essen nicht vertragen habe.

OTC Arzneimittel – eine echte erste Hilfe

OTC bedeutet „over the counter“ und für die Praxis, dass mir der Apotheker das Produkt ohne Rezept vom Arzt verkaufen darf. Eine echte erste Hilfe, denn wenn frau z.B. einen Scheidenpilz hat, kann sie gleich was tun und muss nicht erst lange auf einen Termin beim Arzt warten. Oder Allergie! Jeder Heuschnupfen geplagte weiß wie wichtig diese Medikamente sind und vor allem, dass man sie schnell braucht, wenn‘s los geht. Aber Achtung: Es sind Arzneimittel.

Antihistaminsalbe genauer betrachtet

Juckreizstillendes Antiallergikum steht drauf in fett und dann –  zum Auftragen auf die Haut bei allergischen, juckenden Hauterkrankungen und als Beispiele sind angeführt: Sonnenbrand, Sonnenallergie und Insektenstiche. Wie gesagt, Beispiele. Eine Volldeklaration steht auch auf der Verpackung, aber nicht in INCI, sondern in einer Mischung aus Chemie- und Pharmazeutensprache.
Das Wichtigste: Der Wirkstoff steht an erster Stelle und auch mit genauer Mengenangabe. Hier also Chlorphenoxaminhydrochlorid 15mg in 1g Creme = 1,5%. Danach werden die Konservierungsmittel aufgelistet, ebenfalls mit chemischem Klarnamen (Methyl-4-hydroxybenzoat = Methylparaben, Propyl-4-hydroxybenzoat = Propylparaben und Benzylalkohol ist hier und in INCI identisch).
Dann handelt es sich um eine hautfreundliche O/W Emulsion, bei der nicht die genaue Zusammensetzung offenbart wird, was auch nicht sein muss, denn man kann das unter „Hydrophile Salbe“ im DAB (Deutsches Arzneibuch) nachlesen.

Panthenolsalbe – eine ganz andere Anwendung

Nachdem ich mich also großflächig (eigentlich entgegen der Indikation) mit meiner Antihistamincreme behandelt hatte, dachte ich, meine Finger, speziell die Nagelhäute könnten auch eine Spezialkur vertragen. Dafür wählte ich die Panthenolsalbe, denn der Wirkstoff Panthenol (Provitamin B5, Dexpanthenol) hat bewiesene wundheilende Eigenschaften. Der Wirkstoff ist hier mit 5% dosiert, der nachgewiesenen Wirkkonzentration. Besonders interessant ist die Zusammensetzung der Salbe: Es ist eine wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe, die so im DAB zu finden ist. Das ist eine W/O Emulsion, eine sogenannte lipophile Anwendung, die besonders gut geeignet ist hydrophile Wirkstoffe, wie zum Beispiel Panthenol freizusetzen. Weiterhin hat alleine die Zusammensetzung dieser Salbe gute hautschützende und pflegende Eigenschaften.

Notfalllösung Antibiotika

Aber was war das? Ich drückte vorsichtig auf meinen Mittelfinger. Bäh! Nicht gut. Da hatte sich was entzündet. Da war ich wohl doch zu forsch an das Entfernen der Nagelhaut gegangen. Aber da ich sowieso schon meine Notfallkiste ausgepackt hatte…. Da konnte ich doch gleich etwas von dem Gel drauf tun. Antibiotika freiverkäuflich, nicht so leicht, denn Resistenzen sind die größte Gefahr beim Einsatz von Antibiotika. Deswegen hütete ich meinen Schatz ganz besonders und er kam nur zu bestimmten Gelegenheiten zum Einsatz. Dieses Produkt war nun ein echtes Carbomergel (auch DAB), das den Wirkstoff zu 0,1% enthielt, keine Fette, keine Emulgatoren, denn der Wirkstoff ist ein antimikrobielles Polypeptid.

Ich schaute wieder in den Spiegel. Stunden später, ich sah zwar besser aus … aber nächste Woche versuche ich es beim Fotografen noch mal.

Fotos: ©istockphoto.com/MadaGheorghe

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 5. März 2013
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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