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Ethnic Skin – ist die Haut so anders?

Spricht man von Negern, wenn man Afrikaner meint, ist das politisch nicht korrekt. In der Dermatologie unterscheidet man dennoch zwischen afrikanischer, kaukasischer und asiatischer Haut. Diese Unterscheidung scheint ziemlich willkürlich und wird zunehmend von Forschern angezweifelt. Doch wie unterscheiden sich denn nun die Häute verschiedener Ethnien? Ist schwarze Haut anders als weiße?

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„Human Cutaneous Diversity“ ist das Schlagwort der modernen Dermatologie. Das kommt nicht von ungefähr. Es macht Sinn, nicht die Hautfarben voneinander abzugrenzen, da Hautfarbe bzw. die Stärke der Pigmentierung abhängig ist vom Breitegrad der Herkunft (John H. Relethford: Hemispheric difference in human skin color, American Journal of Physical Anthropology (104), 4, 449–457, December 1997). Kutane Diversität ist also nicht Hautfarbe allein (wenn überhaupt), aber was ist es dann?

Fragwürdige Begrifflichkeiten

Der Begriff ethnische Haut wurde geprägt als – weiße – Dermatologen begannen, über die Haut zu forschen. Sie nahmen ihre eigene Hautfarbe als Bezugspunkt und grenzten dazu die „ethnische“ (farbige) Haut ab.

Zu der Zeit wurde auch versucht über den Rassebegriff nicht nur eine Differenzierung, sondern auch eine Wertung der Menschenrassen vorzunehmen. Blumenbach (Anthropologe, 1752-1840) begründete in seiner Schrift: de generis humani varietate nativa den Begriff „kaukasisch“ zur Beschreibung der weißen (europäischen) Rasse. Der Begriff spielt heute noch  in Nordamerika eine wichtige Rolle.  Als  „ethnisch“ wir hier  „afrikanisch“ oder „asiatisch“ verstanden. Schaut man sich die Begrifflichkeiten nun genauer an, kann man nicht umhin ein breites Grinsen zu bekommen. Denn, wenn man „kaukasisch“ ernst nehmen würde, dann wären alle Menschen indoeuropäischen Ursprungs, also Schweden, Iren oder Spanier, Inder, Tamilen oder Iraner eingeschlossen. Umgekehrt werden aber beim Begriff „afrikanisch“ so unterschiedliche Gruppen wie Nordafrikaner, Ghanaer oder Äthiopier zusammengefasst.

Out of Africa – „Humane kutane Diversität“

Die Forschung (Anthropologie, Dermatologie) konzentriert sich derzeit auf die große genetische Diversität, die in Afrika besteht. Und logisch, dass es nicht die Hautfarbe ist, die hier der wesentliche Unterscheidungsfaktor ist. Es ist bekannt, dass humane Phänotypen nicht gleichen Genotyps sein müssen. Das heißt z.B. Personen mit der gleichen Klassifizierung des Hauttyps nach Fitzpatrick (also unsere übliche Klassifizierung) können völlig unterschiedlich auf UV- Bestrahlung reagieren. Man geht dazu über hier andere, objektive Messmethoden zu verwenden wie z.B. ITA (individual typology angle) eine colorimetrische Hautklassifikation. Aus der Genetik weiß man, dass es verschiedene Gene sind, die die Pigmentierung codieren. Was sie noch machen und ob es alle sind, daran wird derzeit geforscht.

Andere Haut, andere Bedürfnisse?

Lässt man nun also die Pigmentierung beiseite und schaut auf die anderen Eigenschaften der Haut, so kann man feststellen, dass es strukturelle Unterschiede in der Haut gibt, unterschiedliche Reaktionen auf Verletzungen und schließlich unterschiedliche Erkrankungen, die mit dem kutanen Phaenotyp zu tun haben. Pflegegewohnheiten sind dabei eher kulturellen Ursprungs und unterliegen einem steten Wandel. Für die Dermatologie und Kosmetik gleichermaßen Interessant ist, die mikrobielle Besiedlung der Haut unterschiedlicher Phaenotypen, die im humanen Mikrobiome Projekt untersucht wird (www.nature.com). Doch man darf sagen, dass alle diese Untersuchungen erst am Anfang stehen.

Jetzt wird’s bunt

Die Welt verändert sich in rasendem Tempo. In 2015 werden weltweit mehr Menschen in Städten leben als auf dem Land. Unsere Lebensgewohnheiten entsprechen schon lange nicht mehr denen unserer Vorfahren, unsere genetische Ausstattung aber schon. Auf dieser Welt gibt es auch kaum noch  Menschengruppen, die isoliert leben. Im Gegenteil: Migration ist eine zunehmend wichtigere Tendenz und in den pulsierenden kosmopolitischen Städten von heute werden nicht nur neue Trends geboren, sondern mischen sich auch Leute aller Herren Länder miteinander. Humane kutane Diversität erhält also immer neue Farbtöne mit jeder interkulturellen Verbindung und den Sprösslingen daraus. Das ist eine große Herausforderung nicht nur für die Dermatologie, auch für die Kosmetik. Heute sind es  London, Paris, New York, morgen werden Megacities wie Shanghai, Lagos oder  Mexico City die Trends bestimmen.
Und vielleicht ist dann auch der Begriff „ethnic skin“ irgendwann überholt.

Foto: ©istockphoto.com/LydiaGoolia

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 10. Juni 2014
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 3254 mal gelesen.

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