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Funktioniert TCM in westlichen Kosmetika?

Ahh! Das war es, was ich seit langem vermisst hatte! Der Masseur drückte und knetete meine Füße an der Schmerzgrenze. Eine Stunde würde er das jetzt machen und alle Akupressurpunkte unter und auf meinen Füßen anregen. Fußmassage ist eine anerkannte Heilmethode der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Danach ging ich auf Wolken!

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Mit „hao le!“ und einem Klapps auf die Sohlen beendete der blinde Masseur die Sitzung und entließ mich in die quirligen Straßen Shanghais. Mein Ziel war jetzt die chinesische Apotheke in der Nan Jing Dong Lu, vor der ich mich mit einer Freundin verabredet hatte. Hier gab es alles, was das Herz des Heilsuchenden begehrte und vor allem, was der Arzt verordnet hatte. Im obersten Stockwerk des Gebäudes war die Apotheke untergebracht.  Hier nahmen weiß bekittelte Angestellte die Rezepte entgegen, um dann die vielen Komponenten eines Heiltees zusammenzusuchen und präzise abzuwiegen. Dann bekam der Patient noch genaueste Anweisungen zur Zubereitung. Die Zubereitung – ganz ehrlich – erinnerte mich eher an das Brauen eines Zaubertrankes, besonders der scheußliche Geruch, der der Mixtur typischerweise entwich.

Ganzheitliche Behandlung

TCM ist eine alte, über Hunderte von Jahren entwickelte, evidenzbasierte Form der Medizin. Die Ärzte schlossen aus ihren Beobachtungen, welche Kräuter welche Wirkung hatten und kombinierten diese dann, um den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies ist sicherlich einer der wichtigsten Unterschiede zur westlichen Medizin, die die Erkrankung als isoliertes Problem betrachtet und für das Problem eine Therapie (Medikament) zur Verfügung stellt. Im alten Asien sah man den Mensch als Ganzes, das Problem war ein aus dem Gleichgewicht geratener Energiefluss im Körper. Mit den Tees stärkte man nun gewisse „Qis“ oder beruhigte andere. Doch Tee trinken alleine sah man nicht als ausreichend an. Der Patient hat eine – heute würde man sagen – Mitwirkungspflicht. Also Tai Qi oder Qi Gong praktizieren, Atemübungen machen, den Körper selber massieren oder ausklopfen. Alles Rituale, die der Patient selber zu Hause und vor allem täglich durchführen kann. Aus Indien kennen wir das durch das auch bei uns mittlerweile sehr angesagte Yoga.

Akupunktur, Cupping und andere Methoden

Akupunktur ist eine Heilmethode, die es schon vor einigen Jahren in die Arztpraxen der westlichen Welt geschafft hat. Akupunktur wird hier zwar nicht so verwendet, wie es damals 1972 vom italienischen Filmemacher Michelangelo Antonioni filmisch dokumentiert wurde: als Betäubungsmittel beim Kaiserschnitt.  Doch die Erfolge sind erstaunlich. Mit Akupunktur lassen sich viele Leiden, nervlicher, hormoneller oder auch physischer Art drastisch verringern oder gar heilen. Der Arzt sollte hier den genauen Verlauf der Meridiane (Energiebahnen) kennen und die besonderen Punkte, die sich darauf befinden. Eine seriöse Ausbildung in dieser Technik dauert einige Jahre. Zur Verstärkung der Wirkung der Nadeln kann die sogenannte Moxibustion eingesetzt werden. Auf die Nadel wird dann ein „Räucherstäbchen“ gesetzt und gewisse Punkte gezielt erwärmt. Moxa, wie es auch genannt wird, riecht wie Hasch. Und ich würde mich nicht wundern, wenn der Duft nicht auch eine Wirkung hervorrufen würde (siehe auch: Das Parfum – Duft und Emotion). Natürlich lassen sich schmerzende Punkte noch anders – außer mit Massage – behandeln. Verbreitet ist dabei das Cupping, das sich mit Schröpfen übersetzen lässt. Dafür wird die Luft in einem Glas (cup) mit einer brennenden Kerze erwärmt und auf die schmerzende Stelle gesetzt. Beim Abkühlen verringert sich das Volumen der Luft im Glas und es entsteht ein Unterdruck, der die Haut- und Gewebestelle ins Glas saugt. Als Resultat sollten sich die Schmerzen verringern. Definitiv bekommt man jedoch einen schönen Bluterguss. Moxibustion ist wie Cupping eine eigenständige Therapiemethode.

Heilkräuter mit Vorsicht genießen

Natürlich möchten wir die Erfolge der TCM nicht nur in der westlichen Medizin, sondern auch gerne in Kosmetika integrieren. Da prallen dann aber wieder die unterschiedlichen Welten aufeinander: Wie soll sich ein Tee, der sich aus 15 bis 50 Kräutern zusammensetzt und individuell zusammengestellt wird, in ein Kosmetikum formulieren lassen? „Pass bloß auf mit den TCM Tees!“ warnte mich ein guter Freund, der einen Lehrstuhl für Natur- und Wirkstoffchemie inne hat. Er beschäftigt sich mit seiner Forschung mit der Identifikation und der Isolierung der Wirkprinzipien von Pflanzen (siehe auch: www.ipb-halle.de). Diese könnten sich dann irgendwann in Medizin oder Kosmetika bewähren. Von dem unkritischen Genuss von TCM Tees (die sich problemlos zum Beispiel über Internetversand erhalten lassen) rät er ab: „Natur und Tradition sind nicht automatisch gut, auch wenn wir das gerne glauben. Rauchen der Tabakpflanze hat auch Tradition. Individuelle und langfristige Effekte der TCM-Mittel oder die Qualität der Lieferung werden bei unkritischer Anwendung durch Laien oft ignoriert. Außer Allergien kann dies dann z.B. Leber- oder Nierenschäden hervorrufen!“  Das können hiesige Pflanzen natürlich auch. Aber die werden meist in der Apotheke gekauft, und dort zuvor gewöhnlich gründlich geprüft und passend dosiert.

Sucht man nun TCM in Kosmetik, findet man vereinzelt Anwendungen bestimmter Pflanzen(extrakte). Meist sind es aber die Marketingstories zu den Produkten oder Serien im hochpreisigen Segment, die auf fernöstlichen Prinzipen basieren. Wie zum Beispiel die Verwendung bestimmter Duftstofffamilien.

Meine Freundin hatte jedenfalls ihren Tee bekommen und die zwei Krüge in einer großen Tasche verstaut. Ich sollte diese mit nach Deutschland nehmen und ihrer Tochter geben. „Du weißt“, sagte ich ihr, „dass ich da am Flughafen Probleme mit der Sicherheitskontrolle bekommen werde. Die halten das nämlich für Plastiksprengstoff!“

Foto: © wikimedia.org

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 25. November 2014
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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