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Gegen trockene Haut, was hilft?

Wenn es ein richtig kalter Winter wäre, so einer, wie sie ihn gerade in Moskau haben oder im Mittleren Westen der USA. Also mit Temperaturen von minus 20 °C und weniger, so kalt, dass die Luft knochentrocken wird, weil sie kein Wasser mehr hält. Vielleicht, noch ein bisschen Wind und klarer Himmel mit Sonnenschein, so dass der vor Wochen gefallene Schnee weiß glänzt. Dann, mit so „richtigem“ Winterwetter, hätte man beste Voraussetzungen für - trockene Haut.

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Trockene Haut wird in erster Linie klimatisch bedingt und kann damit jeden treffen. Unsere Haut reagiert auf den klimatischen Reiz damit, dass sich zum einen die peripheren Blutgefäße verengen und die sogenannte Desquamation gestoppt wird. Desquamation beschreibt das regelmäßige Abschuppen der obersten Hautschicht, des stratum corneums. Wird dieses nun immer dicker, gibt es unregelmäßige Schuppen und irgendwann juckt die Haut.

Trockene Haut: die Anzeichen

Trockene Hautzustände gibt es sowohl im kosmetischen als auch im dermatologischen Sinne und natürlich einige Anzeichen und Qualifizierungsmerkmale dafür. Die Kosmetikhersteller messen trockene Haut mit feinsten Methoden: der Hautfeuchtigkeit, die meist mittels der elektrischen Kapazität der Haut gemessen wird und dem transepidermalen Wasserverlust (TEWL), der beschreibt, wieviel Wasser durch die Haut diffundiert. Je niedriger die elektrische Kapazität und je höher der TEWL, desto trockener die Haut. Dermatologen ziehen zusätzlich die visuelle Begutachtung der Haut heran und beschreiben die Schuppigkeit und/oder Fältchen anhand einer festgelegten Skala.

Glycerin, was ist das?

Glycerin ist erwiesenermaßen eines der besten Mittel gegen trockene Haut. Chemisch ist es ein sogenanntes Polyol (1,2,3-Propantriol, INCI: Glycerol), eine farblose schwerfließende Flüssigkeit mit süßem Geschmack. Es gibt wohl keinen Bereich, in dem Glycerin nicht eingesetzt werden kann. Es ist zugelassener Lebensmittelzusatzstoff, wird als Weichmacher und in Frostschutzmittel verwendet und in der pharmazeutischen Industrie. Ein Tausendsassa, der auch aus der Kosmetik nicht wegzudenken ist. Glycerin dringt nachweislich in die Schichten des stratum corneums ein und verbessert dort den Befeuchtungszustand, so dass sich die abgestorbenen Hautschuppen leichter ablösen können und die darunter liegenden Zellschichten befeuchtet werden.

Nachteilig ist beim Einsatz von Glycerin aber, dass das Produkt klebrig wirkt und sich nicht gut verteilen lässt, eben so wie wir es zum Beispiel von Handschutzcremes kennen (siehe auch: „Meine nicht perfekt gepflegten Hände“).

Früher wurde Glycerin durch die Verseifung von tierischen Fetten, die aus Schlachtabfällen gewonnen wurden, hergestellt. Diese klassische Verseifung ist ein übelriechendes Geschäft und derartig gewonnene Rohstoffe wurden seit BSE sukzessive aus der Kosmetik verdrängt. Glycerin wird heute synthetisch hergestellt und ist damit nicht nur für manche Anwendungen besser geeignet, sondern in jedem Falle auch „halal“, das heißt für gläubige Moslems verwendbar.

Paraffin und Vaseline

Etwas ganz anderes sind nun Paraffin und Vaseline, die obwohl sie die gleiche Endung haben, völlig andere Substanzen sind. Paraffin und Vaseline sind Kohlenwasserstoffe, die aus Erdöl gewonnen werden. Diese Herkunft macht sie für die Naturkosmetik, die auf nachwachsende Rohstoffe setzt, „unbrauchbar“ und erklärt ihren schlechten Ruf bei Ökotest – völlig zu Unrecht. Verwendung in der Kosmetik und auch in dermatologischen Präparationen finden Paraffinöl (INCI: paraffin oil) und Vaseline (INCI: petrolatum): sie sind inert, durch Hydrierung und Destillation hochaufgereinigt und haben in der Apotheke und in den Pharmakopöen (Arzneibücher) dieser Welt ihren festen Platz. Auch in vielen Kosmetikprodukten werden sie gerade wegen ihrer Reinheit und des vergleichsweise günstigen Preises eingesetzt (siehe auch: „Die Verwandlung meines Massageöls“).

Eine kurze Geschichte der Vaseline

Vaseline wurde auf den Ölfeldern Pennsylvanias entdeckt, als ein schmutziges Wachs, das das Bohrgestänge blockierte. Robert Chesebrough erkannte das Potential dieses Stoffes, reinigte ihn und vertrieb ihn ab 1872 als Allheilmittel: für Kosmetik, als Arzneimittel, in Lebensmitteln und für industrielle Anwendungen. Wirksam sollte es sein gegen Sonnenbrand, als Wundverschluss, Lippenpflege und was man sich sonst noch vorstellen kann.

Vaseline geriet aber in der Vergangenheit immer wieder ins Gerede, vor allem in Europa. Das liegt an der Tatsache, dass Erdöl nicht nur gesättigte Kohlenwasserstoffe, sondern auch ungesättigte Kohlenwasserstoffe, enthält. Am bekanntesten sind Benzol und die Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe. Sie sind erwiesenermaßen krebserregend und haben in Produkten, die mit Lebewesen in Berührung kommen, nichts zu suchen. Da es so viele Vaseline Qualitäten gibt wie Erdölfelder, war es in der Vergangenheit schon schwierig genug eine einheitliche Spezifikation zu finden, ganz zu schweigen von standardisierten Reinigungsschritten und Reinheitsnachweisen. Heutzutage sind diese von Rohstoffherstellern allgemein eingeführt (www.sasolwax.com) und werden von allen verantwortlichen Kosmetikherstellern abgefragt.

Die Wirkung von Vaseline und Paraffinöl gegen trockene Haut beruht vor allem darauf, dass sie auf der Haut einen wasserabweisenden und wasserundurchlässigen Film bilden. Dadurch wird der TEWL reduziert und die Haut sozusagen von Innen befeuchtet. Diesen Vorgang nennt man Okklusion. Dass dabei die Haut nicht atmen kann, ist ein Gerücht (siehe auch: „Atmet die Haut?“). Die FDA (Food and Drug Administration, Zulassungsbehörde in den USA) hat Vaseline als Hautschutzmittel klassifiziert und jedes kosmetische Produkt, das eine gewisse Menge enthält, darf sich „skin protectant“ nennen.

Die Mischung macht‘s

Ein Produkt, das nun effektiv trockene Haut bekämpft, enthält in der Regel sowohl Glycerin als auch okkludierend wirkende Rohstoffe. Dadurch werden im stratum corneum die Zellen befeuchtet, die Schuppigkeit geht zurück und die Haut wird wieder weich. Natürlich gibt es noch weitere Wirkstoffe, die gegen trockene Haut wirken. Diese sind dann aber meistens auch für krankhaft bedingte trockene Haut wie Xerosis, Neurodermitis oder Psoriasis konzipiert.

So gerüstet kann der Winter dann nun endlich kommen.

Foto: ©istockphoto.com/egorr

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 22. Januar 2013
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 13199 mal gelesen.

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