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Geht Kosmetik auch nachhaltig?

Die Werbung - egal wo - preist uns derzeit wieder vermehrt „grüne“ Produkte an. Beworben werden sie mit „Natur“, „vegan“ oder „Rohstoffen aus heimischem Anbau“. Nachhaltigkeit ist das Stichwort, welches uns zum Kauf verleiten soll. Aber wie sieht das bei Kosmetikprodukten aus?

Die Herausforderungen unserer Zukunft sind schon beeindruckend. Der Klimawandel, Plastikmüll und Ferkelkastration, das alles sollen wir lösen. Wir, das sind die Jungen, die das Leben noch vor sich haben. Und zahlenmäßig immer weniger werden. Wie schaffen wir das bei einem vollen Terminplan: Noch mal eben die Welt retten? Und geht das mit Kosmetik?

Nachhaltigkeit

Die Definition von Nachhaltigkeit beinhaltet drei Handlungsweisen: Sozial, ökologisch und ökonomisch. Erst, wenn sich alle drei überschneiden, erhält man Nachhaltigkeit.

Wikipedia Developpement_durable.svg: Johann Dréo derivative work: Sebastian Wallroth (talk) - Developpement_durable.svg

Quelle: Wikipedia Developpement_durable.svg: Johann Dréo derivative work: Sebastian Wallroth (talk) – Developpement_durable.svg

Noch eindrucksvoller wird das in dem folgenden Video von Sustainability Illustrated beschrieben:

Ein weiteres Video habe ich für Euch gefunden, das ihr in der Literaturliste findet (2).

Schaut man sich das Ganze an, klingt es eher nach dem Parteiprogramm der Linken: Reduktion des Verbrauchs von fossilen Brennmaterialien, Müllvermeidung, Verminderung des CO2-Ausstoßes, gesunde Tierhaltung und faire und soziale Produktionsstrukturen – weltweit.

Naturkosmetik – vegan – nachhaltig?

Vor 6 Jahren habe ich hier schon mal eine Kolumne zu Naturkosmetik veröffentlicht (3) und das, was damals galt, ist auch heute noch so. Viele Label werden einfach verwendet, um unser Gewissen zu beruhigen. Gerne geben wir dafür etwas mehr Geld aus und tun was Gutes – für die Hersteller.

Vegan ist sozusagen das Label, das Naturkosmetik noch toppt. Aber sorry, sind Öle, die aus Monokulturen gewonnen werden, egal ob Raps- oder Palmöl, nachhaltig? Und Öle, die aus ökologisch sensiblen Klimazonen kommen (4), sollten wir die überhaupt verwenden?

Wie sollen wir Verbraucherinnen denn überhaupt herausfinden, ob unsere Lieblingsprodukte nachhaltig sind?

Nachhaltigkeit und Kosmetik

Große Konzerne haben auf den Druck reagiert und beschäftigen sich mit der Nachhaltigkeit ihrer Herstellungsketten. Nachhaltigkeitsberichte gibt es z.B. von Beiersdorf (5) oder L’Oréal (6). Doch, so ein Bericht liest sich fast wie ein Geschäftsbericht – sehr trocken und mehr für Investoren gedacht als für uns Verwenderinnen.

Kein Wunder also, dass es andere gibt, die was dazu sagen – z.B Vogue (7). Aus deren Sicht sind in dem Artikel die Eigenschaften nachhaltiger Produkte folgende:

♦ Tierversuchsfrei (8)
♦ Verwenden recyclierte Packmittel
♦ Enthalten phthalatfreie Düfte
♦ Fair produziert
♦ Hersteller rufen auf zu umweltbewusstem Verhalten
♦ Mineralisch
♦ Aus Pflanzen
♦ Schadstofffrei
♦ Enthalten ökologische Inhaltsstoffe

Natürlich gibt es auch eine Gegenmeinung z.B. von Utopia (9). Sie sagen, alles Augenwischerei und deklassieren die folgenden Marken, die viele Verwenderinnen für Vorreiter in Sachen nachhaltige Kosmetik halten:

♦ The Body Shop, Vorreiter in tierversuchsfreier Kosmetik
♦ Yves Rocher, der schon seit Jahrzehnten Kosmetika mit botanischen Inhaltsstoffen verkauft
♦ Lush, die in jeder Einkaufsstraße größerer Städte zu finden sind und die seit Jahren auf sogenanntes „naked packaging“ setzen (10), um Müll zu reduzieren
♦ Botanicals von L’Oréal, was mich nicht wundert…
♦ L’Occitane, das Label unter dem mediterran inspirierte Produkte angeboten werden
♦ Palmolive Naturals, hält angeblich nicht, was der Titel verspricht
♦ Rituals, der Newcomer und Shooting Star der Szene, parfumbasierte Produkte von Raumerfrischer bis hin zur Body Creme und einem ayurvedisch inspirierten Markenauftritt

Hilfe! Was mache ich denn nun?

Schaut man sich also an, was so veröffentlicht wird, dann bekommt man sehr widersprüchliche Aussagen. Das hilft uns bei der Produktauswahl echt wenig. Einer der wichtigsten Punkte aus meiner Sicht – nämlich die Müllvermeidung –  wird sogar ausgeklammert. Weiterhin werden die meisten Produkte immer noch in Kunststoff verpackt. Das Thema Mikroplastik (11) wird irgendwie gar nicht angegangen.

Aber auch, wenn wir nun Kosmetikprodukte kaufen, die z.B. auf eine Umverpackung verzichten, Mikroplastik vermeiden oder von Herstellern produziert werden, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht haben – mit unseren Pflegegewohnheiten werden wir kaum die Welt retten können. Hier hilft es, sich umzuschauen und nach tatsächlich umsetzbaren Dingen zu suchen. Z.B. im Supermarkt hartnäckig nach nachfüllbaren Verpackungen fragen, Milch in Flaschen kaufen, mehr mit dem Rad fahren, nicht im super-billig Klamotten Discounter kaufen, lieber mal second hand und vieles mehr. Denn die Nachfrage bestimmt, was wir bekommen. Und da darf man guten Gewissens auch mal etwas nicht kaufen, denn manche Produkte brauchen wir auch nicht. 😉

Literatur

(1) Wikipedia Nachhaltigkeit
(2) Explainity Nachhaltigkeit
(3) Pinkmelon Naturkosmetik
(4) Dejayu Kokosöl
(5) Beiersdorf Nachhaltigkeitsbericht
(6) L’Oréal Nachhaltigkeitsbericht
(7) Vogue Nachhaltige Kosmetik
(8) Dejayu: Kosmetik ohne Tierversuche
(9) Utopia Augenwischerei
(10) Lush naked packaging
(11) Dejayu: Mikroplastik

Weitere Links

www.bosch-stiftung.de

Foto: ©iStock.com/LittleElefant

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 2. Oktober 2018
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 584 mal gelesen.

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