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Haarshampoo: Welches Produkt für welches Haar?

Haarpflegemittel sind die umsatzstärksten Kosmetikprodukte. 2013 gaben wir Verwenderinnen über 3 Milliarden Euro dafür aus. Kein Wunder, dass das Shampoo-Dickicht so unentwirrbar ist wie Haare im nassen Zustand. Es gibt die große Vielfalt für feines, fettiges, trockenes Haar, Spezialshampoo für blondes, coloriertes, dauergewelltes oder echt lockiges Haar; für mehr Volumen, mehr Glanz, bessere Struktur, für Babies … aber nichts für Haustiere.

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Shampoos gibt es offenbar für echt alle Haarprobleme und  von einer großen Zahl an Herstellern. Im Netz und in den Printmedien wimmelt es von Testberichten, Forenbeiträgen und Expertenratschlägen. Mit dem Ergebnis: Ein gutes Shampoo muss nicht teuer sein (siehe http://www.test.de/Haarshampoos-Gut-von-23-Cent-bis-488-Euro-1859216-1859861/). Dennoch, gibt es kaum Antworten darauf, welches Shampoo das Richtige ist bzw. ob das „falsche“ Shampoo das Haar schädigen kann. Herausfinden kann man das, indem sich man sich die Inhaltsstoffe anschaut und ja, den Praxistest macht.

Wie Shampoos wirken

Ein Shampoo soll zunächst mal die Haare reinigen, dies natürlich besonders schonend, sich gut ausspülen lassen und sie gut kämmbar hinterlassen. Das Haar soll dann auch im trockenen Zustand nicht „fliegen“ und gut frisierbar sein. Durch das Waschen wird es in der Regel nicht geschädigt, außer man übertreibt es (Häufigkeit und Länge der Wäsche). Viel strapaziöser ist die Behandlung danach: Das Kämmen im nassen Zustand und das (heiße) Föhnen. Hier kommen die Zusatzstoffe ins Spiel, die diese negativen Pflegegewohnheiten kompensieren sollen: Rohstoffe, die aufs Haar aufziehen wie Silikone, Proteine oder anti-statisch wirkende Substanzen. Nur bei Baby- und einigen Volumen-Shampoos ist der Rohstoffcocktail sehr überschaubar.

Die Tenside – die Mischung macht‘s

Das Rückgrat eines Shampoos sind die Tenside bzw. deren Mischung, die waschaktiven Substanzen unterschiedlicher Chemie. Sie sind verantwortlich für die Reinigungsleistung und den Schaum (siehe auch „Ordentlich Schaum bitte“). Man unterscheidet anionische, kationische, amphotere und nicht ionische Tenside (siehe http://slideplayer.de/slide/204048/# ?). Die anionischen wie z.B. Sodium Laureth Sulfate haben die besten Wasch- und Schaumeigenschaften, sind leider aber auch relativ hautunverträglich. Besser verträglich, aber mit geringerer Waschleistung sind amphotere wie z.B. Cocamidopropylbetain oder nicht ionische Tenside wie Zuckerester z.B. Coco Glyceride oder PEG- Derivate wie z.B. PEG-7 Glyceryl Cocoate. Kationische Tenside (auch Quats genannt) werden meist nur in geringen Konzentrationen eingesetzt und überwiegend in Spülungen, da sie gut auf das (negativ geladene) Haar aufziehen und die Kämmbarkeit verbessern wie z.B. Polyquaternium-10.
Die Tensid Zusammensetzung bestimmt also wie gut das Produkt schäumt und wie gut sich das Haar hinterher kämmen lässt.

Die wichtigsten Haarprobleme und welche Inhaltsstoffe dafür wichtig sind

Fettige Haare sind solche, die nach dem Waschen schnell strähnig werden. Das natürliche Fett ist an sich nichts schlimmes, allerdings wenn es zu viel wird und juckt, kann es ein seborrhoisches Ekzem sein und ist ein Fall für den Hautarzt. Bei den leichteren Fällen helfen Shampoos, die die Talgdrüsenproduktion reduzieren z.B. mit Kräuterextrakten, manchmal hilft weniger (!) waschen oder auch ein Shampoo mit einer anderen Tensidkombination.
Trockenes Haar erkennt man an dem leicht knirschenden Geräusch, das es macht, wenn man es mit den Fingern hin und her bewegt. Es wird auch strapaziertes Haar genannt und entsteht durch Färben, Sonnenbestrahlung, Hitzeentwicklung (föhnen) oder durch zu viel (!) waschen und ist meist ohne Glanz (siehe auch „Glänzend schönes Haar“), bricht leicht und hat splissige Enden. Hier sind Produkte sinnvoll, die auf das Haar aufziehen (Proteine, Ceramide, Silikone oder Quats). Mittlerweile gibt es auch die Theorie, dass die „Sulfate“ (gemeint ist natürlich das Sodium Laureth Sulfate) das Haar zusätzlich austrocknen und Hersteller bieten Shampoos auf Basis anderer Tensidsysteme an.
Gegen dünnes Haar ist kein Kraut gewachsen (siehe auch „Haarige Fragen und haarscharfe Antworten“), es ist genetisch bedingt. Waschen sollte man es eher mit „normalem“ Shampoo und hinterher gezielt Produkte verwenden, die die Griffigkeit erhöhen (z.B. mit Filmbildnern). Bei Männern ist mit dünnem Haar eher Haarausfall gemeint und dagegen  werden Shampoos mit Coffein oder Menthol ausgerüstet, die die Haarwurzel energetisieren sollen.
Gegen Schuppen: Schuppen sind kein Problem der Haare, sondern der Kopfhaut! Der Wirkstoff, der effektiv gegen Schuppen wirkt, ist Zinc Pyrithione, und natürlich gibt es mit diesem Wirkstoff auch alle möglichen Produkte für alle Haartypen.

Abgleich Theorie und Praxis

Das zur Theorie, doch in der Praxis entscheiden das Tensidsystem (wir Verwenderinnen favorisieren Shampoo mit reichhaltigem Schaum), die Kämmbarkeit und einige Zusatzstoffe (häufig das Parfum) darüber, ob wir das Shampoo geeignet finden oder nicht. Wer selber testen möchte, dem empfehle ich die Tabelle, die ich unter „Shampoo mit/ohne Silikone – ein Selbstversuch“ veröffentlicht habe. Natürlich kaufe auch ich immer mal wieder eine Auswahl unterschiedlicher Shampoos und stelle sie bei uns in die Dusche. Dabei wird das Shampoo lange verwendet und kann sich auf seine Praxistauglichkeit hin bewähren. Und was dem einen gefällt, findet der andere vielleicht nicht gut. Mein Mann beschwerte sich neulich und hielt mir vorwurfsvoll das Baby-Shampoo entgegen. „Das schäumt überhaupt nicht!“ schimpfte er. Ich grinste und er schaute mich entsetzt an: „Du wäscht doch damit nicht etwa….“ „… die Katzen“, nickte ich.

Foto: ©istockphoto.com/Antagain

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 1. April 2014
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 4638 mal gelesen.

Eine Antwort zu “Haarshampoo: Welches Produkt für welches Haar?”

  1. juliepedersen

    Pro Naturals ist das Beste, das ich je benutzt habe 😉

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