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Halal-Kosmetik

Eine Nachricht in meinem email Postfach machte mich aufmerksam: „BASF Obtains New Halal Certification for its Personal Care Ingredients“. Ich klickte den Link und las die Meldung. Meine Prognose: Eine neue Reinheitsanforderung „halal“ wird weltweit wichtiger - nicht nur für Lebensmittel. Ein Grund, sich das mal genauer anzusehen.

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©iStock.com/itskatjas

„Halal“, diesen Aufdruck kannte ich von meinen Reisen nach Südostasien. Ketchup, Müsli, Suppenwürze, das sind nur Beispiele von Nahrungsmitteln, die dieses Gütesiegel tragen. Ganze fastfood Ketten werben übrigens auch damit. Halal, das ist für den gläubigen Moslem das Zeichen, dass dieses Produkt unbedenklich konsumiert werden kann, da es den rituellen Regeln des Islam entsprechend produziert wurde.

Rituelle Gütesiegel

Rituelle Regeln? Das hört sich für den modernen Konsumenten heute ein wenig nach Hokuspokus an, aber ist es das wirklich? Regeln für kosher oder halal produzierte Lebensmittel waren in der Zeit vor der Erfindung des Kühlschranks und moderner Konservierungsmethoden DIE Richtlinie, die erlaubte, relativ sicher verderbliche Lebensmittel zuzubereiten und zu verzehren. Koshere Lebensmittel findet man heute vor allem in Israel, den USA und Frankreich. Halal nimmt mit der Ausbreitung des Islam vor allem in Afrika und Südostasien (also den emerging markets, den Märkten der Zukunft) eine immer wichtigere Position ein (siehe auch: www.halalrc.org). In Südostasien ist Indonesien das Land mit dem höchsten Anteil an muslimischer Bevölkerung. Kein Wunder also, dass die Qualitätsorganisationen dort ihren Sitz haben.

Mehr als das Verbot von Schweinefleisch

Wir denken bei diesen Gütesiegeln natürlich als erstes an das Verbot des Verzehrs von Schweinefleisch. Es ist natürlich viel komplizierter, aber lasst uns mal bei den Schweinen bleiben. Schweine gelten in der jüdischen und moslemischen Tradition als unrein, da sie – wie wir Menschen – Allesfresser sind. Allerdings wird diese Erklärung, wie auch die Möglichkeit der Übertragung der Trichinellose, sehr kontrovers diskutiert. Religionsforscher und Anthropologen gehen heute eher von der „Theorie der kostspieligen Signale“ aus. Nahrungsmitteltabus, eines dieser Signale, machen die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft deutlich, und sind dabei für alle anderen äußere sichtbare Zeichen dieser Zugehörigkeit.

Halal ein Bio-Siegel?

Signale hin oder her, die Muslime dieser Welt möchten – wie Veganer z.B. auch – sicher sein, dass ihre Kosmetik ihren (persönlichen) Anforderungen entspricht. Deswegen gibt es internationale Regeln, nach denen die Herstellung, Lagerung und Verarbeitung von Rohstoffen nach eben diesen Regeln festgeschrieben werden. Klingt nach Bio-Siegel? Genau: Das eine ist z.B. der “International halal standard HAS 23000“.

Qualitätsmanagement

Und natürlich gibt es Stellen zu Zertifizierung bzw. Zulassung dieser Verfahren nach den halal Standards: Dieses sind z.B. Halal Control, Rüsselsheim (www.halalcontrol.eu) oder das Halal Food Council of Europe (HFCE) in Brüssel (siehe auch: www.hfce.eu). Dann müssen diese Zulassungen noch von den islamischen Qualitätsmanagement Organisationen (z.B. Indonesian Council of Ulama (Majelis Ulama Indonesia, http://e-lppommui.org) – die Dachorganisation der islamischen Qualitätsmanagement Organisationen) anerkannt werden. Und dann kann es losgehen.

Das alles klingt nach einem ganz normalen Zulassungsverfahren, die es z.B. für Lichtschutzfilter auch gibt und die sich je nach Land / Region unterscheiden. Mit dem Unterschied, dass ich mal vermute, dass die Regeln des halal Islameinheitlich sind, sprich global.

Startschuss für Halal-Kosmetik

BASF hat sich mit der Zulassung seiner (Kosmetik-)Rohstoffe einen Vertriebsplatz in der islamischen Welt gesichert. Es steht zu erwarten, dass andere Hersteller folgen werden und dass – im Zuge der Globalisierung – sich dann weitere Produktionsstätten diesen Regeln anschließen werden.

Noch kaufen Muslime in der westlichen Welt überwiegend koshere Produkte, da halal Produkte nicht verfügbar sind. Das wird sich sicherlich ändern. Und ob dann andere Qualitätssiegel überflüssig werden? Kann schon sein, denn die Regeln für Naturkosmetik und halal sind doch recht ähnlich: gesund, organisch, umweltfreundlich, Tierschutz, fair trade um nur einige zu nennen. (siehe auch: Naturkosmetik – eine grüne Revolution). Zusätzlich gibt es auch Regeln für gentechnisch veränderte Produkte (http://a-r-k.de und www.genetic-id.de).

Zukunftsmusik? Von wegen: Halal-Kosmetik ist schon längst da: www.kosmetik-profi.net.

Foto: ©iStock.com/itskatjas

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 14. Juni 2016
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 2048 mal gelesen.

2 Antworten zu “Halal-Kosmetik”

  1. Trivia

    Ich glaube kaum dass man in diesem Zusammenhang von „Tierschutz“ sprechen kann, wenn man sich die traditionellen Regeln des Schlachvorgangs betrachtet.

  2. Ghita_Yu

    Hallo liebe Trivia,
    vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich habe nicht recherchiert, wie sich rituelle Schlachtungen bzw Schlachtungen nach „halal“ und die Schlachtung in „westlichen“ Schlachthöfen unterscheiden im Bezug auf Tierschutz. Aber das Lebensende eines Tieres ist ja nicht das alleinige Merkmal der Lebensqualität, sondern vor allem die Zeit davor. Und wenn sich die verbessern läßt, ist doch schon viel gewonnen, oder?
    LG Ghita

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