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Hyaluronsäure: ein biotechnologischer Falten-Killer

Es sollte ein entspannter Abend werden: Der TV lief und ich wollte eigentlich nur etwas abhängen. Da flimmerte durch die Werbung „… mit Hyaluron-Filler, der jetzt auch tiefe Falten auffüllt…“. Bestimmt wieder so ein Marketing-Gimmick, dachte ich mir. Hyaluronsäure als Biomolekül kommt doch gar nicht in die Haut und schon gar nicht so tief. Echt jetzt? Ich tauschte TV gegen Computer und machte mich auf Spurensuche.

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©iStock.com/ipag

Hyaluronsäure ist ein Rohstoff, den wir gerne mit klinischer Reinheit und höchster Effektivität verbinden. Die Angebote im Internet, vor allem aus den USA, zeigen dann auch sehr „cleane“ Produkte, die als Serum mit Pipette, Gesichtsmaske oder Creme angeboten werden.

Hyaluronsäure

Abb.1: Hyaluronsäure (INCI: Sodium Hyaluronate) ist ein anionisches Polysaccharid, das aus sich wiederholenden Disaccharid-Einheiten besteht. Diese Zucker sind D-Gluconsäue und N-Acetyl-D-Glucosamin. Die mittlere Molmasse beträgt 1000 bis 3000 K-Dalton.

Kuhaugen und Hahnenkämme

Als Biopolymer wird Hyaluronsäure in (fast) allen Körpern gefunden. Sie wurde erstmals 1934 aus Kuhaugäpfeln isoliert und festgestellt, dass sie für den Erhalt der Form des Augapfels wichtig ist. Sie zeichnet sich aus durch eine enorme Wasseraufnahmefähigkeit. Dabei wird aus dem Pulver eine hochviskose Flüssigkeit. Die kommerzielle Isolierung erfolgte Ende der 1940er Jahre aus Hahnenkämmen. Hyaluronsäure wurde und wird überwiegend in der Augenheilkunde und zur Behandlung arthritischer Gelenke eingesetzt. In der Kosmetik wurde Hyaluronsäure erstmals in den 80er Jahren verwendet – in den USA und in sehr hochpreisigen Produkten. Das Gramm Hyaluronsäure kostet derzeit zwischen knapp 2 und 10 Euro im Internet (ultra niedermolekulare HS 5000 Dalton).

Von der Biotechnologie zum dermalen Filler

Interessanterweise war es dann ein japanischer Kosmetikkonzern, der 1984 die biotechnologische Herstellung von Hyaluronsäure patentierte (US 4801539 www.google.com/patents/US4801539). Und die Hyaluronsäure, die derzeit überall verwendet wird, ganz gleich ob in Medizin oder Kosmetik, kommt aus dieser sogenannten Fermentierung. Der Grund, weswegen Hyaluronsäure als „dermaler Filler“ gilt, ist die Zulassung durch die FDA in 2003. Diese Hyaluronsäuregele werden aber in die Haut injiziert und vergrößern so die Lippen, mildern Augenringe und Falten.

… und auf der Haut?

Wenn man also die sehr beeindruckenden Vorher-Nachher Bilder gesehen hat, kann man verstehen, dass es wohl kein Marketing gibt, das diese Effekte nicht auch gerne in einer Creme anbieten möchte – und keine Verwenderin, die das nicht ebenfalls gerne anwenden würde.
Aber wie bekommt man das Wunderzeugs denn jetzt in die Haut? Eine Injektion ist schließlich keine kosmetische Behandlung  und da invasiv für Kosmetik auch verboten. Penetriert Hyaluronsäure also in die Haut?

Hautpenetration und Hautbefeuchtung

Hier muss ich einen kleinen Exkurs machen, denn die Haut ist wirklich eine Barriere und schlecht zu penetrieren (siehe auch: Helfen Ceramide wirklich?). Natürlich gibt es einige pharmazeutische Wirkstoffe, die man mit Hilfe von Pflastern (z.B. Nikotinpflaster für Raucher, die nicht mehr rauchen wollen) in die Haut und den Körper bringen kann. Die relevante Größen für die Penetrationsfähigkeit eines Wirkstoffes in und gar durch die Haut sind die Molmasse (gemessen in Dalton), die Polarität und Chemie. Nikotin z.B. ist aber vergleichsweise klein mit einer  Molmasse von 162, Hyaluronsäure von 1.000.000 bis 3.000.000 (Abb.1). Selbst ultra niedermolekulare Hyaluronsäure bringt es noch auf 5000. Man sieht also sehr schön, Hyaluronsäure ist einfach zu groß. Und auch dann noch, wenn einige Hersteller damit werben, sie würden jetzt niedrig molekulare Hyaluronsäure einsetzen. Sie geht einfach nicht rein.

Verschleierte Werbebotschaft

Aber für eine Anti-Falten-Wirkung sind noch andere Eigenschaften wichtig, allen voran eine gute Hautbefeuchtung. Und die erzielt man mit Hyaluronsäure auf jeden Fall, besonders, wenn man sie mit guten Moisturizern (z.B. Glycerin) kombiniert. Hyaluronsäure bildet auf der Haut einen angenehmen Film, weil sie selbst viel Wasser binden kann. Aus diesem Film werden Moisturizer und mögliche andere Wirkstoffe langsam freigesetzt. Eben wie in dem beworbenen Produkt auch: Es ist die Mischung aus Hyaluronsäure mit anderen Wirkstoffen (in diesem Fall Panthenol und Soja Saponine), die den Hyaluron-Filler-Effekt hat.

Mein Fall war jetzt gelöst und ich konnte mich endlich weiter meinem TV widmen –  einem Krimi.

Foto: ©iStock.com/ipag

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 1. März 2016
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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