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Kosmetikverpackung II: Groß oder Klein?

Ich brauchte ein neues Deo und suchte im Dorgeriemarkt verzweifelt nach meinem Produkt. Da war es! Aber es sah so anders aus … „compressed“ stand auf der Verpackung. Da fiel es mir wieder ein, hatte ich doch einen Werbespot gesehen, in dem derartige Produkte angepriesen worden waren: wie vorher nur kleiner.

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Das mit der Verpackung ist so eine Sache. Eigentlich schätzen wir eine Verpackung und das Produkt so ein, dass wir glauben, je größer der Karton, desto hochwertiger ist, was drin ist. Und eigentlich sollten wir es besser wissen, denn jedes Jahr zum Jul-Klapp kann man uns damit prima herein legen.

Innovation – nichts passiert von alleine

Mich beschlich bei dem Kauf des Deos allerdings die Vermutung, dass dem Hersteller nichts besseres eingefallen war, um dem Produkt neuen Pfiff zu verleihen. Üblicherweise wird ja an Produkten spätestens alle zwei Jahre irgend etwas „verbessert“, das man dann mir „neu“ oder „noch wirksamer“ wieder bewerben kann. Ja, wir Verbraucherinnen sind es, die angeblich immer etwas Neues wollen und selten mit dem zufrieden sind, was wir haben. Wenn also an der Formel nichts verändert werden kann oder soll, dann kann man was an der Verpackung machen. Kleiner, praktischer oder umweltfreundlicher. Da findet sich schon was.

Produkt oder Verpackung?

Die Geschichte der Entwicklung von kosmetischen Formulierungen zeigt, dass immer auch das Packmittel  für den Durchbruch verantwortlich gewesen ist.  Erst als Robert Aplanalp die Sprühdose erfunden hatte, konnte das Haarspray von Herrn Schwarzkopf so angewendet werden, dass es tatsächlich ein feines Netz auf dem Haar bildete (siehe auch: Haarspray – kein Styling ohne).
Oder der Lippenstift: ohne seine martialische Hülsenform mit Drehmechanismus wäre er wahrscheinlich im Döschen verkümmert (siehe auch: Vom Zauberstab des Eros zum modernen Lippenstift).
Und eine Mascara ohne Bürste? Wäre ziemlich blöde aufzutragen.

Funktionale Packmittel

Die Produktwelt der Drogerien und Parfümerien ist voll von sogenannten funktionalen Packmitteln. Wer es nicht glaubt, kann ja mal gucken gehen. Da gibt es z.B.  Nagelöl im praktischen Pinsel-Dreh-Applikator;  der Pickelstift mit einer super-feinen Mine in einer Drehmechanik; das Lipgloss  mit fluffig weichem Applikator oder der Eye-Liner im Fläschchen mit Pinsel oder Schwämmchen-Applikator. Eins ist klar, je kleiner das Anwendungsgebiet, desto feiner das Packmittel. Nur für großflächige Anwendungen bieten sich Tiegel, Tube, Spender oder Flasche an. Und die kann man dann beliebig verkleinern.

Size matters

Big is beautiful? Nicht immer, eben. Aber abgesehen von dem gerade erwähnten Deo, gibt es ein paar Beispiele, bei denen die Verkleinerung des Packmittels tatsächlich zu einem „revival“ des Produktes geführt hat. Der Einfluss der Verpackungsgröße auf Badezusätze und Gesichtsmasken. Der Wieder-Durchbruch für diese Produkte ist erst gelungen, als sie in den sogenannten „Sachets“ angeboten wurden. Das sind Einmalverpackungen, die üblicherweise den Pröbchen vorbehalten waren, aber jetzt von den Verwenderinnen honoriert werden. Endlich gibt es diese Produkte für den Einmalgebrauch – zwischendurch! Und außer Spanierinnen kaufen in Europa wohl sonst fast keine Konsumentinnen mehr Badezusätze im Litermaß.

Mein Deo steht jetzt im Badezimmer bereit für den Praxistest. Nicht alleine, denn sicherheitshalber habe ich dann das Produkt noch mal als Roll-on gekauft. Die sind eh kleiner als Sprühdosen und gehen im Flieger auch im Handgepäck durch die Kontrolle. Und dann habe ich noch ein anderes Deo entdeckt – soll nach Anwendung bis zu fünf Tagen halten.
Und das Produktversprechen hat mich jetzt mehr überzeugt als die kleinere Dose….

Foto: ©istockphoto/rsiel

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 23. Dezember 2014
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 2339 mal gelesen.

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