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Kosmetikverpackung: Von der Alutube zur Mogelverpackung

Wie herrlich knisterte doch die Cellophanhülle als ich sie vorsichtig von der Schachtel meiner neu erworbenen Gesichtscreme löste. Ein wundervolles Gefühl! Wie Geschenke auspacken! Dann die Schachtel selber: der Produktname in Gold geprägt. Das hatte was. Ich öffnete die Schachtel und sah erst mal - nix. Wo war der Tiegel?

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Eine Creme im Alusachet, das Shampoo in einer Milchflasche, das Serum am besten in einer Phiole. Sind dies Mogelverpackungen oder gelebte Kreativität? Die Bedeutung der Verpackung für das Produkt wird häufig unterschätzt. Dabei ist die Verpackung der erste Kontakt, den der Verbraucher mit dem Produkt hat. Die Verpackung entscheidet mit darüber, ob gekauft wird oder nicht. Ein guter Grund sich die Kosmetikverpackungen genauer anzusehen.

Regulierungswahn?

Natürlich ist in Deutschland/Europa alles geregelt. In der Fertigpackungsverordnung (FPVO) wird reguliert, wieviel größer die Verpackung als das Produkt sein darf. Überwiegend betrifft dies Lebensmittelverpackungen, bei denen auch die meisten Unregelmäßigkeiten auftreten. Darüber kann man sich übrigens bei den Verbraucherschutzministerien der jeweiligen Bundesländer informieren. Auch meine gerade erstandene Gesichtscreme würde wohl als Mogelpackung gelten, hätte sie nicht zwei wesentliche Informationen auf der Schachtel: Die Mengenangabe und die Abbildung des Tiegels in Originalgröße.

Der Nutzen der Verpackung

Eine Creme im Glastiegel? So verkehrt ist das nicht, denn Glas ist absolut dicht und bietet sich für die Lagerung an: Weinflaschen oder Weckgläser sind andere Beispiele dafür. Schließlich ist das auch der Zweck einer jeden Verpackung: Das Produkt in unverändertem Zustand haltbar zu machen. Und letztendlich garantieren die Kosmetikhersteller 30-36 Monate Haltbarkeit! Das sind bis zu drei Jahren! Glas hat dummerweise den Nachteil, ziemlich schwer zu sein und leider auch mal kaputt zu gehen. Doch Alternativen gibt es genügend. Und es muss auch kein Tiegel sein, Flaschen, Tuben oder Spender werden ebenso gerne genommen.

Welches Material wofür?

Zahnpasta war früher immer in Alu-Tuben, das war einfach gängige Praxis. Aluminium ist nämlich auch ein super Packmittel, diffusionsdicht und sogar recyclingfähig. Verbraucher fanden das aber doof. Denn drückt man vorne drauf, bleibt hinten immer noch was drin und DAS bekommt man dann nur ganz schwer raus, ganz zu schweigen von den Beziehungskrisen, die das auslöste. Die Lösung? Plastiktuben, aber bitte auf den Kopf gestellt.

Aber Plastik ist ja nicht gleich Plastik. Es gibt Polypropylen, Polyethylen und Polyethylen Terephthalat. Alle Plastiksorten gibt es wieder in verschiedenen Varianten. PVC wird übrigens nicht verwendet. Außer einem Tiegel, Tube oder Flasche braucht man natürlich einen Verschluss und eine Dichtung, die die Verpackung luftdicht abschließt. Plastikverpackungen sind die am weitesten verbreiteten. Die großen Vorteile sind natürlich der Preis, aber auch die unendlichen Möglichkeiten der Formgebung. Große Marken haben daher ihre eigenen möglichst unverwechselbaren Designs, die auch kontinuierlich dem Zeitgeist angepasst werden. Natürlich hat Plastik auch Nachteile, die wichtigsten sind sicherlich, dass die Verträglichkeit mit dem Produkt überprüft werden muss. Denn Zusatzstoffe im Plastik können die kosmetische Formulierung beeinträchtigen: Farbstoffe, UV-Filter und Weichmacher (siehe http://www.weichmacher.de). Weiterhin soll der Gewichtsverlust über den Garantiezeitraum in Grenzen liegen. Plastikverpackungen sind nämlich nicht 100% diffusionsdicht im Gegensatz zu Glas und Alu.

Mehr drum als drin?

Viele Produkte werden nicht allein in ihrem sogenannten Primärpackmittel vertrieben, sondern besitzen noch eine Faltschachtel. Als Faustregel gilt, je teurer das Produkt, desto mehr Verpackungsmaterial wird verwendet. Eine Faltschachtel hat durchaus ihre Berechtigung, denn darauf lassen sich viele Informationen unterbringen. Und natürlich ist auch geregelt, welche Informationen das alles sein müssen. Die wichtigsten sind: INCI, Menge, Adresse des Herstellers und natürlich die Chargennummer. Die Chargennummer steht zusätzlich auch auf dem Primärpackmittel und ist wichtig, wenn man das Produkt reklamieren möchte. Viele Produkte werden dazu noch mit einem „Frischesiegel“ versehen, damit wir als Verbraucherin auch sicher sein können, die erste zu sein, die das Produkt öffnet.

Meinen Glastiegel habe ich dann doch noch in der Schachtel entdeckt, nachdem ich die Pappflügelchen zur Seite gebogen hatte. Doch die makellose Schwere des Tiegels wog nicht auf, dass die Verpackung nicht unversehrt war. Das Personal des Drogeriemarktes hatte die Cellophanhülle aufgeschlitzt und somit das Frischesiegel verletzt, um den Diebstahlschutz anzubringen…

Foto: ©istockphoto.com/danielsbfoto

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 4. März 2014
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 4257 mal gelesen.

Eine Antwort zu “Kosmetikverpackung: Von der Alutube zur Mogelverpackung”

  1. Trivia

    Ich lese die „Geheimnis Kosmetik“ Artikel immer wieder gern! 🙂

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