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Nagellack – pleasure to go

Die Fachleute sprechen von „pleasure purchase“, einem Einkauf, den man macht, um sich danach besser zu fühlen. Die Marktbeobachter bekommen große Augen, denn das Segment wächst und wächst. Investoren können es nicht glauben: Das Produkt boomt geradezu - und das nach oder trotz - jedenfalls seit der Finanzkrise 2008. Es ist der Nagellack, der trendiger denn je daher kommt.

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Es ist wie bei jedem Kosmetikprodukt: wir Verwenderinnen verlangen das Unmögliche. So soll der Lack in wenigstens einer Minute trocknen, einen super Glanz haben und am besten wochenlang halten. Selbstverständlich in den aktuellen Trendfarben verfügbar sein – und wie konnte ich das vergessen – schnell und einfach aufzutragen sein. Geht nicht gibt’s nicht?

Die Basis des Lackes ist einzigartig

Auch wenn die Farbe des Lackes hochmodern ist – ein Inhaltsstoff ist jedoch schon immer enthalten gewesen: Nitrocellulose. Den Pyromanen unter den Lesern wird dieser Stoff geläufig sein, denn er entsteht durch die Nitrierung von Cellulose. Dieses Produkt hat im vergangenen Jahrhundert unter vielen Gesichtern entscheidend zum modernen Leben beigetragen. Versetzt man Nitrocellulose mit Campher entsteht Zelluloid, das Material auf dem die alten Filme gedreht und Fotos gemacht wurden. Versetzt man sie mit Lösemitteln, erhält man Nitrolacke, Klebstoff und Nagellack. Einen entscheidenden Nachteil hat Nitrocellulose allerdings: sie ist hochexplosiv!

Wenige Hersteller – viele Anbieter

Die Gefahren im Umgang mit Nitrocellulose bringen es mit sich, dass nicht jeder Kosmetikhersteller damit arbeiten will und darf. Deswegen hat sich im Bereich der Nagellack-Herstellung ein solides sogenanntes „Contract Manufacturing“ etabliert: einige wenige Hersteller entwickeln die Lacke entsprechend den Anforderungen ihrer Kunden. Diese bringen sie dann unter allen möglichen Marken im Salon, der Parfümerie oder im Massenmarkt in den Handel.

Tolle Effekte, die nur auf dem Nagel erlaubt sind

Nagellacke sind auch deswegen so beliebt, weil hier die Experimentierfreude von Entwicklern und Verbrauchern keine Grenzen zu kennen scheint. Zumindest nach den gesetzlichen Bestimmungen ist mehr erlaubt als zum Beispiel auf der Haut. Nägel sind wie die Haare auch „Hautanhangsgebilde“ , unbelebtes Gewebe. Auch können Chemikalien nur ganz schwer den Nagel durchdringen, wenn überhaupt. Wer zum Beispiel schon mal einen Nagelpilz behandelt hat, wird das nachvollziehen können. So sind im Nagellack auch Lösemittel erlaubt wie Ethyl Acetate und Butyl Acetate, die dem Lack diesen unverkennbar chemischen Geruch geben. Auf der anderen Seite sind sie die besten Lösemittel für Nitrocellulose. Viele Pigmente lassen sich problemlos einarbeiten und so findet man Lacke mit tollen Effekten: Neonfarben, unter Schwarzlicht leuchtende Lacke, magnetische oder Crackele-Effekte. Außerdem gibt es jede Menge Nail Art von der French Manicure bis hin zum Nail Art Stift.

Wie hält der Lack am längsten?

In der Praxis aber ist neben dem Trend auch etwas anderes wichtig – die Haltbarkeit auf dem Nagel. Gründliche Vorbereitung ist auch hier schon eine wesentliche Voraussetzung für ein gutes Ergebnis. Also Nägel gut entfetten, bevor der Lack drauf kommt. Sinnvollerweise einen Unterlack verwenden, denn der erhöht nicht nur die Haftfestigkeit des Nagellackes, sondern verhindert auch, dass sich die Nägel verfärben. Nicht zu dick auftragen! Lieber zwei dünne Schichten auftragen und zum Schluss noch einen Top Coat, dieser reduziert auch die Trockenzeit des Lackes insgesamt. Aber ich habe es noch nicht erlebt, dass ein Lack wirklich in einer Minute trocken ist. Mit dem 4-Schichten Prinzip dauert es ca. 30 Minuten, bis man gefahrlos wieder die Hände benutzen kann und 12 bis 24 Stunden bis der Lack komplett durchgehärtet ist, sich also keine Abdrücke mehr darauf abzeichnen.
Warum splittert mancher Lack trotzdem schnell ab? Zum einen sind die täglichen Beanspruchungen der Hände auch schlecht für den Lack – am schlimmsten ist wie üblich das Spülen (http://www.pinkmelon.de/magazin/geheimnis-kosmetik/meine-nicht-perfekt-gepflegten-hande.html) –  zum anderen kann es an dem Lack selber liegen. Die organischen Lösemittel, die enthalten sind verflüchtigen sich über die Zeit und damit verändert sich auch der Lack an sich. – Ach ja, und natürlich haben auch die Farbpigmente Einfluss: so hält roter Lack mit synthetischen organischen Pigmenten meist länger als pastellfarbener mit Titandioxid.

Pleasure ohne Altersbeschränkung

Ganz ehrlich: einen lang haltenden, nicht splitternden Lack mit super Glanz, der sofort trocken ist und den Nagel härtet, alles in nur einem Auftrag – gibt’s nicht. Wenn der Lack lange halten soll, kann er nicht super schnell trocknen, deswegen gibt es auch für alle diese Spezialanforderungen den eigens dafür entwickelten Lack. Das ist kein Grund zum Kummer, denn es gibt immer wieder neue, tolle Nagelprodukte und viele Verwenderinnen, die diese gerne ausprobieren – zum Beispiel Nail Polish Strips.

Und genau das wissen auch die Hersteller und Parfümeriebetreiber. Letztere positionieren die trendigsten Produkte gleich im Eingangsbereich. Dort ziehen sie besonders eine Käufergruppe an – die ganz jungen Mädchen. Denn für diese Art pleasure gibt es keine Altersbeschränkung.

Foto: ©istockphoto.com/shylendrahoode

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 30. Oktober 2012
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 4660 mal gelesen.

2 Antworten zu “Nagellack – pleasure to go”

  1. Rea

    Ein Gedankengang spricht mir besonders aus der Seele, nämlich dass es keinen perfekten Nagellack gibt. Ein Lack kann ja nun mal nicht sofort trocken sein, aber in der Flasche noch ewig haltbar usw. – sehr schöner Artikel!

  2. Trivia

    Ich kann mich nur anschließen- toller Artikel!

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