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Naturkosmetik – eine grüne Revolution?

Der Markt ist unüberschaubar groß. Allein eine Google Suche findet über 6 Millionen Einträge. Sechs Millionen! Naturkosmetik, das brummt richtig. Natürlich reicht es nicht, ein Blümchen auf der Verpackung abzubilden und auch ein vollmundiger Name, der nach Bio, Terra oder Gesundheit klingt ist nicht genug. Naturkosmetik ist mehr als ein schöner Name, doch was genau ist es wirklich?

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Ist Naturkosmetik tatsächlich der Gegenentwurf zu normaler Kosmetik, die ethisch, ökologisch korrekte Alternative zu Produkten aus dem Massenmarkt, zu gedankenlosem Konsumverhalten? Naturkosmetik ist vor allem ein Thema, das polarisiert, denn es tobt ein Glaubenskrieg.

„Greenwashing“ und Irreführung

Ähnlich wie bei Bio-Lebensmitteln gibt es eine wahre Flut von Naturkosmetika. Der Markt wächst, die Marge ist groß und damit gibt es natürlich viele Produkte, die so aussehen, wie – es aber nicht sind. Öko-Test hat im vergangenen Jahr einen kritischen Artikel zu den Pseudo-Naturkosmetika veröffentlicht und beleuchtet, dass auch der fehlende Schutz von Begriffen wie „Natur“ und „natürlich“ viel zur Verwirrung beiträgt. Gibt es denn keinen TÜV? Jemanden, der das unter die Lupe nimmt?

Zertifizierte Naturkosmetik

Wie kommt nun Transparenz in den Bio-Dschungel? In Europa haben sich zwei Siegel durchgesetzt: das BDIH und NATRUE Siegel. Wichtig ist, dass sich hier die Hersteller von Naturkosmetik europaweit zusammengefunden haben, um die Regeln klar und verbindlich festzulegen. Nur Produkte, die von unabhängigen Instituten zertifiziert worden sind, dürfen das Siegel tragen.

Naturkosmetik ist mehr als natürliche Inhaltsstoffe

Im Wesentlichen sind die Kriterien für Naturkosmetik natürlich solche, die sich auf die Inhaltsstoffe beziehen. Es sollen also natürliche Rohstoffe sein, heißt pflanzlichen Ursprungs und häufig auch aus biologischem Anbau. Auch die Gewinnungs- bzw. Syntheseverfahren sind reglementiert. Auf Tierversuche muss verzichtet werden und es gibt eine Liste nicht erlaubter Rohstoffe und eine kurze Liste erlaubter Konservierungsmittel.  Wichtig ist, dass bei der Vergabe des NATRUE Siegels drei Level vergeben werden können. Nur Produkte mit dem höchsten Level dürfen sich echte Bio-Kosmetik nennen. Verantwortliche Naturkosmetikhersteller haben aber mehr im Sinn als Rohstoffe und Herstellverfahren: sie wollen ethisch handeln, nachhaltig wirtschaften, fair traden, gesellschaftliche Verantwortung tragen. Nicht selten basiert ihre Firmenphilosophie auch auf einer philosophischen Denkrichtung.

Sind normale Kosmetikprodukte schlecht?

Gerade Öko-Test kritisiert auch bei konventioneller Kosmetik die Verwendung von Rohstoffen, die in Naturkosmetik nicht eingesetzt werden dürfen. Auch das ist irgendwie Irreführung, denn zunehmend schleicht sich bei den VerbraucherInnen der Eindruck ein, nur Naturkosmetika seien gut. Ist konventionelle Kosmetik jetzt schlecht? Konventionelle Kosmetika sind genauso wenig schlecht oder gar schädlich, wie Naturkosmetika per se gesund sind. Auch konventionelle Kosmetika müssen nach bestimmten Qualitätsregeln hergestellt und Hautverträglichkeit und Wirksamkeit bewiesen sein.

Alles in Natur?

Eine echte Naturkosmetikserie muss meiner Auffassung nach nicht die gesamte Produktpalette einer konventionellen Kosmetikserie anbieten. Der Verzicht auf bestimmte Rohstoffgruppen lässt zudem bei echter Naturkosmetik eigentlich nicht zu, dass zum Beispiel Schminkprodukte wie Nagellacke oder gar Haarfarben angeboten werden.
Auch kann es genaugenommen nicht sein, dass Naturkosmetik billig ist, denn alleine die verantwortliche Produktion von als organisch zertifizierten Rohstoffen ist schon sehr kostenintensiv.

Kaufen ohne schlechtes Gewissen

Ist Naturkosmetik also eine Frage des Geldbeutels? Sind Leute, die normale Kosmetik kaufen Öko-Sünder? Die Wahl eines Produktes hängt vielmehr von der persönlichen Einstellung ab. Ein schlechtes Gewissen muss man trotzdem nicht haben, denn viele große Kosmetikhersteller haben längst erkannt, wie wichtig gesellschaftliche Ziele sind. In ihren Geschäftsberichten beschreiben sie ihr Engagement in den Bereichen Nachhaltigkeit, fairem Handel und sozialer Verantwortung.

Für wichtiger als die Wahl des Produktes halte ich aber, dass jemand, der als Verbraucher wirklich etwas für Nachhaltigkeit tun will, für den Ressourcen schonenden Umgang mit Rohstoffen, kritische Fragen stellt…. Und hier kann man eigentlich nur bei sich selbst anfangen und – auf den einen oder anderen Einkauf verzichten.

Foto: ©Laura Pürner

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 16. Oktober 2012
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 3659 mal gelesen.

3 Antworten zu “Naturkosmetik – eine grüne Revolution?”

  1. DasLexi

    Die natrue Stufen sind mittlerweile schon wieder abgeschafft wurden, es gibt es nur noch das einheitliche natrue Symbol

  2. Ghita_Yu

    Interessant: auf der Natrue website sind sie noch drauf http://www.natrue.org/our-label/3-levels-of-certification/

  3. LadyBeetle

    Naturkosmetik finde ich grundsätzlich super, aber diese ganzen Pseudo-Naturkosmetikprodukte finde ich manchmal echt nervig…
    Ich greife sehr gerne immer wieder zu „natürlichen“ Varianten eines Kosmetikprosukts zurück, aber auch nur, wenn mich die Qualität und die Wirkung auch genauso überzeugen wie die der konventionellen Variante.

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