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…ordentlich Schaum, bitte!

Es gibt wohl keinen Werbespot, kein Foto zur Haarwäsche, auf dem der Kopf nicht komplett eingeschäumt ist. Schaum, das ist der Stoff aus dem die Träume sind: federleicht soll er sein, sanft und dennoch stark genug um fettigen, schlecht riechenden Schmutz vom Haar zu entfernen. Es scheint sonnenklar: Nur was ordentlich schäumt, reinigt auch gut.

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Die vier Grundpfeiler einer gelungenen Reinigung

Die Fachleute werfen, wie sollte es anders sein, natürlich einen anderen Blick auf das Thema Reinigung. Sie gehen es technisch an und wissen: Eine gute Reinigung wird von vier Elementen bestimmt: Dem eingesetzten Reinigungsmittel, die Fachleute sagen dazu gerne Tensid, der Temperatur, der mechanischen Energie und der Einwirkdauer. Leuchtet ein, oder? Wenn ich meine weiße Wäsche in der Waschmaschine ordentlich sauber kriegen will: Vollwaschmittel, 95°C und der Waschgang dauert bestimmt über zwei Stunden, wobei die Maschine selber für den mechanischen Eintrag sorgt. So weit so gut.
Doch sollte sich versehentlich mein kuscheliger Winterwollpullover mit in die Maschine verirrt haben, sieht es jetzt schlecht aus für ihn. Es bleibt einem nur, ihn mit Tränen in den Augen aus der Trommel zu nehmen, traurig die Schrumpfung seiner Größe nach XXS zu betrachten und das völlig verfilzte brettharte Ding unter einem Seufzer in die Tonne zu werfen. Selbst die Kleidersammlung würde sich nicht mehr darum reißen.
Was ist da passiert?

Wolle und Haare haben eine sehr ähnliche Struktur

Die Bastelfreunde unter den Leserinnen haben vielleicht gerade gegrinst, denn wer schon mal selber gefilzt hat, das heißt Wolle in Filz verwandelt hat, weiß was passiert. Behandelt man nämlich Wolle heiß und mit einem starken Tensid z.B. Seife, rubbelt ordentlich an ihr herum, dann verfilzt sie. Die feinen Wollhärchen brechen an der Oberfläche auf und verhaken sich untereinander. Würde man auch die Haare so behandeln, sie würden auch verfilzen. Tenside und Hitze sind also auch nicht gut fürs Haar, auch das lange Rubbeln ist eher schädlich. Die Extremform verfilzter Haare sind die Dreadlocks, auch genannt Rastalocken.
Dumm nur, dass wir Haare doch recht häufig waschen, jedenfalls deutlich öfter als einen Wollpullover und das mit den Rastalocken ist auch nicht jedermanns Sache.

Kurz, von den vier Reinigungsparametern wollen wir in der täglichen Praxis drei so klein wie möglich halten: die Temperatur, die Einwirkdauer und das Rubbeln. Damit die Haare sauber werden, bleibt jetzt nur noch ein Element übrig: Das Tensid. Allerdings haben wir Verbraucherinnen noch anderes auf dem –  sorry im – Kopf als saubere Haare. Das Haar soll sich nach der Wäsche gut anfühlen, gut kämmen lassen, glänzen und vor allem nicht kaputt gehen.

Gute Shampoos vereinen Schaum und Pflege

In den Entwicklungsabteilungen der Shampoohersteller beschäftigt man sich damit, die besten Tensid Kombinationen zu finden. Denn für Shampoos gilt, dass sich eine Kombination besser anfühlt, besser reinigt und milder ist als ein Tensid alleine. Auch das so genannte Schaumverhalten wird durch die Kombination mehrerer Tenside positiv beeinflusst. Weiterhin soll das Shampoo natürlich auch noch viel mehr können: wirksam sein gegen Schuppen oder fettiges Haar, das Volumen aufpeppen oder die Coloration auffrischen, pflegen ohne zu beschweren – ach, was wir wollen ist eine schier endlose Liste!
Und es gibt natürlich auch Leute, die waschen ihre Wollpullover mit Shampoo!

Dann also doch mal mein Shampoo-Alleskönner in den Vollwaschgang füllen? Das ist ein Experiment für Leute mit starken Nerven, bei dem man sich am besten bewaffnet mit dem Wischmop neben der Waschmaschine postiert. Denn fürs reguläre Wäsche waschen sind schäumende Reinigungsmittel nicht geeignet.

Und fürs Haar? Für die Reinigung ist das Tensid wichtig, dass es schäumt liegt in der Natur der Sache. Aber für die Reinigung braucht es nicht unbedingt viel Schaum. Für die Pflege tut ein Tensid leider nichts, dafür werden in Shampoos andere Rohstoffe verwendet.

Foto: ©istockphoto.com/Antagain

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 11. Oktober 2011
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 2813 mal gelesen.

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