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Rot! Rot! Rot!

Keine Farbe ist so aufregend, so einzigartig, wie das Rot. Ohne Rot wäre die Welt wirklich nur schwarz-weiß, die Liebe trist, Feuer ohne Wärme – und Lippenstift? Gäb es nicht. Rot packt uns an unserer animalischen Seite und ist technisch betrachtet genauso kapriziös, wie es eben nur Rot sein kann.

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Meine Lieblingsfarbe ist Rot. Damit bin ich nicht alleine…. Und neulich erlebte ich hautnah, wie Rot funktioniert. Der Papa rief seinem Sprössling zu, ihm zu folgen und lockte mit den Worten: „Lass uns das teure Auto angucken!“ Doch der Dreikäsehoch hatte anderes im Kopf. „Nein, Papa!“ entgegnete er. „Ich will das rote Auto sehen!“ Rot zieht an: nicht nur Kinder, auch Männer und Frauen aller Altersgruppen.

Rot ist emotionsgeladen

Und Rot ist doch viel, viel mehr: es regt unseren Appetit an – Erdbeeren bekanntermaßen -, beschleunigt unseren Puls zum Beispiel mit einem Ferrari-roten Sportwagen, führt die Revolution in Form der roten Fahne an und macht uns schön und begehrenswert. Wer kennt sie nicht, die „Lady in Red“?
Seit Menschengedenken ist die Farbe Rot etwas besonderes und bekam neben Weiß und Schwarz als erste der bunten Farben auch einen Namen. Rot bedeutet Blut, Emotion, Schönheit, Herrschertum aber auch Zorn und Gefahr. Rot ist keine Farbe für Weicheier.

Rot war selten und teuer

Schon in der Antike wusste man, wie man aus der Purpurschnecke den roten Farbstoff isolieren konnte. Man brauchte Unmengen von Schnecken, um auch nur winzige Mengen zu gewinnen. Rot war sündhaft teuer und rot gefärbtes Tuch war nur für die herrschende Klasse erschwinglich. Im Mittelalter begann man Purpurrot aus Schildläusen zu gewinnen. Der Prozess war ähnlich aufwendig und teuer wie die Purpurgewinnung aus Schnecken. Diesen Farbstoff kann man heute synthetisch herstellen und er ist ein zugelassener Lebensmittelfarbstoff (E120). Aber bis dahin war es ein weiter Weg.

Rot ist vergänglich

Wer hat sich noch nicht gewundert, warum die alten Ölschinken in den Museen so dunkel aussehen, warum so wenige Rottöne erscheinen und warum die Museumsleitung das Licht immer so dimmt? Rot ist lichtempfindlich, wie viele Farben, doch Rot stellt auch hier alle in den Schatten. Ein Rotweinfleck auf weißem Hemd wird innerhalb weniger Tage braun, was seine Entfernung zwar nicht erleichtert, aber ein typisches Beispiel für alle aus Pflanzen und Schnecken gewonnen Farbstoffe ist. Auch die römischen Togen veränderten in der mediterranen Sonne ihre Farbe.
Der Grund für die Lichtempfindlichkeit liegt in der Physik – zum einen. Damit Rot für das menschliche Auge sichtbar wird, muss der Farbstoff Licht einer bestimmten Wellenlänge absorbieren. In diesem Fall ist es grünes Licht. Doch grünes Licht mit einer Wellenlänge um die 530 nm (Nanometer, 10-9 m) ist relativ energiereich. Um es mal in den Kontext zu setzen: blaues Licht liegt bei einer Wellenlänge von ca. 400 nm, mit noch kürzeren Wellenlängen begibt man sich schon in den Bereich des Ultravioletten Lichtes (es gilt: je kürzer die Wellenlänge, desto energiereicher die Strahlung)!
Zum anderen sind viele pflanzliche Rotfarbstoffe hochkomplexe Moleküle mit vielen Kohlenstoff-Kohlenstoff Doppelbindungen, diese sind durch energiereiches Licht zerstörbar. Kurz: Doppelbindung weg – Farbe futsch.
Natürlich konnten die alten Meister Schwermetalloxide verwenden, Quecksilberoxid (Zinnober) zum Beispiel, oder man konnte den Farbstoff als Pigment verwenden, das heißt in nicht löslicher Form. Der Durchbruch war das aber noch nicht. Weder für die Maler, noch für die Tuchfärberei.

Moderne rote Farbstoffe

Der Siegeszug der Farbe allgemein begann mit der industriellen Erzeugung von Azo-Farbstoffen Ende des 19 Jahrhunderts. Zu dieser Zeit setzte man dann auch diese neuen Farbstoffe hemmungslos und überall ein, viele ohne vorherige toxikologische Untersuchung. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Einige dieser Farbstoffe waren total unverträglich, andere hatten fatale Folgen. Diese Erfahrungen führten dazu, dass man sich für Kosmetika  auf eine Liste einigte, in der die zugelassenen und somit getesteten und für sicher befundenen Farbstoffe aufgeführt wurden. Nur diese dürfen heute in der Kosmetik eingesetzt werden.
Diese modernen und sicheren Farbstoffe sind in der Positivliste der Kosmetikverordnung aufgeführt. Sie haben eine CI Nummer, einen color index, der nach der chemischen Grundstruktur vergeben wird. Dieser wird auch auf der Produktpackung deklariert.

Rot ist unersetzlich

Rote Lippenstifte sind immer noch die wichtigsten dekorativen Produkte. Dabei sind die Pigmente die teuersten Inhaltsstoffe. Das liegt weniger an der Chemie als an ganz praktischen Dingen, denn die Mengen, die in der Kosmetikindustrie eingesetzt werden, sind vergleichsweise gering und die Reinheits- und Qualitätsanforderungen hoch. Auch das Einarbeiten von Rot in den Lippenstift ist nicht so ganz einfach und in jeder Lippenstiftproduktion gibt es Fachleute, die eigens darauf achten, dass die Farbe „richtig“ hergestellt wird. Doch was tun wir nicht alles für rote Lippen. Denn ein Lippenstift ohne Rot wäre ja wie ein Parfüm ohne Duft!

Foto: ©istockphoto.com/PLAINVIEW

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 1. Mai 2012
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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