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Seife besser als ihr Ruf

Seife ist eines der ältesten „Kosmetika“, wenn man sie denn so nennen darf. Über viele Jahrhunderte hinweg war Seife das Hautreinigungsmittel der Wahl. Es gab nichts anderes. Mit Seife wurde auch Wäsche gewaschen und die Haare. Erst in den vergangenen Einhundert Jahren wurden andere Reinigungsmittel entwickelt und die Seife geriet zunehmend in Verruf. Zu reizend, nicht hautneutral, kurz nicht gut.

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Wahrscheinlich in grauer Vorzeit am Lagerfeuer, als jemand – so wie wir heute auch mit Kerzen – in den Resten herumprokelte, das heruntergetropfte Fett mit der Asche verknetete und womöglich noch mit Wasser versetzte, dann endlich schlafen ging und am nächsten Morgen beim Saubermachen feststellte – da war was anders. So, oder ein wenig anders wird wohl die erste Seife entstanden sein. Allerdings verwendeten erst die Ägypter Seife nachweislich zum Waschen – von Wäsche.

Seifenherstellung im Kleinen und Großen

Seife, das lernt man sogar in der Schule ist das Produkt der alkalischen Verseifung von Fettsäuren. Beliebt ist das Experiment mit Ölsäure und Kaliumhydroxid, denn mit der entstandenen Kaliumoleat-Lösung lassen sich prima Seifenblasen pusten.

Bei der industriellen Herstellung verwendet man tierische oder pflanzliche Fette, das sind  Triglyceride, das heißt die Fettsäuren sind mit dem dreiwertigen Alkohol Glycerin verestert. Üblicherweise lassen sich Ester alkalisch spalten. In der klassischen Seifenherstellung kann man also das Fett in heißer Lauge(Pottasche, Soda oder Natron- oder Kalilauge) sieden (daher der Name Seifensieder), es werden die Triglyceride gespalten und die Fettsäuren dann gleich verseift. Für die echte Stückseife muss dann lediglich die Lauge abgetrennt werden – ganz vereinfacht. Verwendet man Öle, mit denen vorher Blüten extrahiert wurden in der sogenannten Enfleurage (siehe: Parfum: Die Chemie des Duftes), erhält man feinste Duftseifen.

Badehaus – Seife in Hochkultur

Das vermeintlich so dunkle Mittelalter war gar nicht so finster und trist. Die Menschen in Europa erfreuten sich nicht nur an Minnegesängen, sondern auch an einer flächendeckenden Badekultur. In den Badehäusern nun wurde sich nicht nur gewaschen, sondern es fanden auch allerhand andere lustvolle Geselligkeiten statt. Mit dem Ausbruch der Pest allerdings war dies schlagartig vorbei. Nur im Nahen Osten überlebte die Reinigung im Hammam (siehe: Die Verwandlung meines Massageöls).

Seife und Haut – geht das gut?

Wasser ist zum Waschen da, aber richtig sauber wird es erst, wenn man Tenside hinzugibt, die die Schmutzpartikel und das Fett dispergieren und die sich dann leicht abspülen lassen. Ein Tensid besteht üblicherweise aus einem lipophilen und einem hydrophilen Teil (wie ein Emulgator) und ist um so besser wasserlöslich, je größer der hydrophile Teil ist. Bei der Seife kommt der lipophile Teil von der Fettsäure, ist also üblicherweise 18 oder 16 C-Atome lang und der hydrophile Teil ist die anionische Säuregruppe. Sie ist im Vergleich zum lipophilen Teil recht klein und verseifte Stearin (C18)- oder Palmitinsäure (C16) sind keine berauschend guten Tenside. Macht man die Fettsäurekette nun kürzer, wird die Reinigungsleistung besser, aber leider nimmt auch das Reizpotential zu. Seife ist also gar nicht so schlecht und kann durchaus mit Handwaschlotionen mithalten (http://www.zeit.de/2013/01/Stimmts-Fluessigseife).

Seife oder Syndet?

Eine Zeit lang waren Syndets schwer angesagt und das durchschlagende Argument dafür ist: der pH-Wert ist dem pH-Wert normaler Haut angepasst. Normale Haut hat einen pH-Wert von etwa 5,5. Das ist leicht sauer. Schäumt man nun die Haut mit Seife ein, kann der pH-Wert auf bis zu 9 bis 11 steigen, mit der Seife drauf versteht sich. Abgespült ist die Haut dann immer noch leicht basisch, doch bei gesunder Haut pegelt sich der pH-Wert wieder schnell ein. Dermatologen empfehlen bei einigen Hauterkrankungen ein Syndet zu verwenden. Allerdings sollte man wissen, dass Syndets häufig auch Konservierungsmittel enthalten, eine Seife braucht das nicht, da sie einen basischen pH-Wert hat.

Wenn es ums Geld geht, ist Seife unschlagbar günstig und hält lange, weiter ist sie biologisch gut abbaubar und dazu noch gut hautverträglich, lediglich etwas altmodisch. Eines ist jedenfalls sicher: besser als ihr Ruf ist sie allemal.

Foto: ©istockphoto.com/Studio-Annika

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

 

Dieser Artikel wurde verfasst am 16. April 2013
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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