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Sensorische Eigenschaften von Kosmetika

So wirklich bewusst achten wir nicht darauf, aber es sind die sensorischen Eigenschaften von Kosmetikprodukten, die mitentscheidend dafür sind, ob wir das Produkt wieder kaufen oder nicht. Ist die Creme eher reichhaltig oder leicht? Wie lässt sie sich verteilen und wie fühlt sich die Haut hinterher an? Wird eine hauttypengerechte Pflege auch durch die Sensorik erreicht?

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Dies ist der Moment der Wahrheit: Wir entnehmen vorsichtig mit der Fingerspitze etwas Creme aus dem Tiegel und verteilen sie mit kreisenden Bewegungen auf der Haut, meist der des Gesichts. Lässt sich das Produkt gut verteilen, weißelt es oder stoppt es sogar? Und fühlt sich die Haut hinterher fettig, ölig an oder doch eher pudrig? Spannt die Haut oder brennt sie etwa? Hier entscheiden wir, ob wir das Produkt weiter verwenden wollen oder nicht – beim Verteilen der Creme auf der Haut. Und das kann schon mal suchtähnliche Ausmaße annehmen – siehe auch Über das Suchtpotential von Kosmetika).

Sensorik – eine Wissenschaft für sich

Sensorische Eigenschaften von Produkten sind im Prinzip alles, was wir über unsere Sinne wahrnehmen können. Der Duft (siehe auch Das Parfum – Duft und Emotion), das Aussehen (siehe auch Kosmetikverpackung – von der Alutube zur Mogelverpackung) oder aber wie unser Tastorgan Haut das Produkt wahrnimmt. Jede große Kosmetikfirma hat ihre eigene Philosophie, wie sich ihre Produkte anfühlen sollen. Dazu kommen dann noch kulturelle Unterschiede: Die Französinnen lieben es gerne leicht, die Japanerinnen so pur wie es geht und den Deutschen kann man auch eine fettige Pampe verkaufen. Naja, nicht ganz. Aber die Sensorik – hier also das Hautgefühl – beschreibt wie sich das Produkt beim und nach dem Verteilen auf der Haut anfühlt. Die Sensorik ist ein wichtiges Kriterium für uns Verbraucherinnen. Denn unsere Haut soll nicht nur schön aussehen, sondern sich auch schön anfühlen.

O/W oder W/O?

Ganz entscheidend für die Sensorik ist der Emulsionstyp (Abbildung), der dem Produkt zu Grunde liegt. Eine O/W – eine Öl-in-Wasser-Emulsion (in der Küche ist es z.B. Mayonnaise) – ist leichter verteilbar und in der Regel weniger fettig als eine W/O = Wasser-in-Öl-Emulsion (z.B. Butter). Ganz leichte, relativ wenig fettige Produkte sind Gele. Das Hautgefühl unterscheidet sich deutlich: W/Os liegen in der Regel auf der Haut und fühlen sich etwas schwerer und fettiger an – die ideale Winter- oder Nachtcreme eben. O/Ws bieten eine große sensorische Bandbreite von relativ fettig bis hin zu leicht und pudrig. Gele dagegen haben in der Regel kein fettiges Hautgefühl, können sich aber klebrig anfühlen.
Vor einigen Jahren noch hat man versucht, durch die unterschiedlichen Emulsionstypen Hauttypen entsprechende Cremes zu formulieren. Für die fettige und Mischhaut also „leichte“ (O/W Emulsionen) Produkte, für die trockene Haut eher „aufliegende“ (W/O Emulsionen).

Öle – eine ganze Welt der Sensorik

Doch schaut man sich den Hautpflegemarkt an, stellt man fest, dass W/O Emulsionen zunehmend weniger werden. Der Trend geht hin zu O/Ws und Gel-Cremes. Doch außer dem Emulsionstyp sind natürlich die eingesetzten Öle von immenser Bedeutung für die Sensorik. Mit ihnen lassen sich O/W Emulsionen mit einer enormen Bandbreite sensorischer Eigenschaften formulieren. Kosmetische Öle lassen sich zum einen über ihr Spreitverhalten  – also wie sich ein Öl auf einer Oberfläche verteilt – klassifizieren und weiterhin über das Hautgefühl, das sie erzeugen. Und das geht tatsächlich von fettig aufliegend (z.B. Paraffin Oil oder natürliche Öle) bis hin zu leicht (z.B. verzweigtkettige Ester wie Isopropylmyristate) bis hin zu trocken (z.B. Cyclomethicone, Dicaprylyl Carbonate).

Fettalkohole und Wachse

Wichtig nicht nur für die Konsistenz, sondern auch für die Sensorik, sind die eingesetzten Strukturgeber oder Sensorikmodifizierer.  Während also Fettalkohole (wie z.B. Stearylalcohol oder Cetylalcohol) nicht nur die Konsistenz einer Creme erhöhen, verändern sie auch das Hautgefühl beim Auftragen in eher wachsig, stoppend. Sensorikmodifizierer sind besonders wichtig, wenn ein Wirkstoff eingesetzt werden soll, dessen Hautgefühl nicht so schön ist wie z.B. Glycerin. Glycerin fühlt sich schmierig klebrig an. Häufig werden dann Feststoffe zugesetzt, die ein pudriges Hautgefühl erzeugen und damit die unangenehme Sensorik des Glycerins kompensieren.

…und auf der Haut?

Tragen wir nun ein Produkt auf die Haut auf, passiert beim Verteilen folgendes: Durch den Druck mit den Fingern brechen wir die Emulsion auf und erleichtern es zunächst dem Wasser, zu verdunsten. Trainierte Sensorik Testerinnen stoppen dafür die Zeit, denn das Hautgefühl verändert sich plötzlich drastisch, wenn das meiste Wasser verdunstet ist. Wir „Normalos“ haben dann das Gefühl, die Creme sei eingezogen. Ist sie aber nicht. Was auf der Haut verbleibt, ist eine spannende Mischung aus Emulgator, Ölen und Wirkstoffen und allem, was nicht verdunstet. Sie ist entscheidend dafür wie angenehm wir das Produkt empfinden und auch wie gut das Produkt die Haut pflegt. Diese Mischung verändert sich aber noch nach etwa 5 Minuten weiter, denn die Öle spreiten und ein Teil der Mixtur dringt in die obersten Schichten des Stratum Corneums ein. Jetzt zeigt sich, ob die Haut spannt oder als pudrig  oder glatt empfunden wird.

Mittels sensorischer Untersuchungen passen die Hersteller das Hautgefühl ihrer Produkte den Wünschen der Verwenderinnen an. Interessanterweise haben sich dabei die Vorlieben der Deutschen deutlich verändert. Kurz: Die fettige W/O kommt immer weniger an. Junge Verwenderinnen wollen eher leichte Produkte, die die Haut nicht beschweren. Und die älteren bevorzugen zwar eher reichhaltigere, aber doch elegante Formulierungen. Wie und ob bei diesen modernen Rezepturen den Hauttypen Rechnung getragen wird…das ist allerdings ein weites Feld der Forschung.

Foto: ©istockphoto/Hoaru
Abb.: ©Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 30. September 2014
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 4486 mal gelesen.

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