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Sind In-Dusch Produkte wirklich gut?

Mit In-Dusch-Pflege ist nicht die Pflege für die Dusche gemeint, sondern für die eilige Konsumentin. Die, die morgens schon im Stress ist und deren Zeitplan keinen Slot für eine normale Bodylotion vorsieht. Die Formel wird durch Wasser aktiviert, verspricht der Marktführer. Das machte mich neugierig.

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©iStock.com/eldinhoid

Die Morgenrituale der Deutschen sind von der Marktforschung mittlerweile gut analysiert (1) und werden in der Werbung genutzt, um uns für bestimmte Produkte zu interessieren.

Morgens in Deutschland unter der Dusche

Was tut man morgens nicht alles unter einer Dusche (siehe auch: Duschen – eine kleine Kulturgeschichte): singen, rasieren, Geistesblitze bekommen (2) und jetzt auch pflegen. Wie lange wir Frauen wofür brauchen, hat der Marktführer natürlich untersucht (3). Danach duschen 87% der Deutschen jeden Morgen. Im Badezimmer halten sich Frauen im Schnitt 38,3 Minuten auf und damit 10 Minuten länger als die Männer. Sie cremen sich auch ein (63%) im Gegensatz zu Männern, die überwiegend auf Pflege verzichten. Und in Foren werden auch immer mal wieder Pflegerituale (4) diskutiert.

Außen pfui, innen….?

Ich habe mir das vom Marktführer beworbene Produkt gekauft und in meine Dusche gestellt. Die „Flasche“ erinnert  mich an eine „Bombe“ und auf dem Etikett sieht die Lotion aus wie eine Banane. Hoffentlich haben die sich mit der Formel mehr Mühe gegeben als mit dem Äußeren.  Deswegen sehe ich mir zunächst die INCI an (siehe auch: Ein Stoff, viele Namen: Wie uns die Volldeklaration hilft). Das Produkt ist eine Formel  mit vielen Wachsen und Glycerin, klassische Wirkstoffe sind nicht enthalten, lediglich Mandelöl entdecke ich auf der Volldeklaration. Ich bin aber trotzdem beruhigt, denn es sind keine Conditioner wie z.B. in Haarspülungen enthalten (siehe auch: Conditioner). Die Pinkmelon-Testerinnen sind überwiegend von dieser Produktkategorie begeistert (5). Aber spare ich damit wirklich Zeit? Und viel wichtiger: Pflegt so ein Produkt überhaupt?

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Der Praxistest

Unter der Dusche verhält sich dieses Produkt ganz anders als erwartet: Beim Eincremen auf der nassen Haut wird es zunächst glitschig, um dann einen kurzen Moment stumpf zu sein (siehe auch: Sensorische Eigenschaften von Kosmetika). Das Meiste aber spüle ich ab und vom Rest, sorry, geht ein großer Teil ins Handtuch. Die Dusche bekommt übrigens auch „ihr Fett weg“, der Hersteller hat deswegen einen Warnhinweis auf der „Bombe“ angebracht.

Warnhinweis - In-Dusch Bodylotion Warnhinweis - In-Dusch Bodylotion

Der Härtetest

Da ein Test mit nur einer Person ist nicht besonders aussagekräftig ist, beschließe ich, das Produkt mit ins Schwimmbad zu nehmen. Unter der Dusche sollen meine Wassernixen die In-Dusch Body Milk ebenfalls verwenden. Wer schon mal in den Umkleideräumen eines Schwimmbades seine Bodylotion verwendet hat, weiß, was ich unter Härtetest verstehe. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit  und Wärme in den Umkleiden fühlen sich normale Lotionen auf der Schwimmbad feuchten Haut klebrig und eklig an. Und in-Dusch-Produkte?
Die Wassernixen finden, das Produkt riecht gut und überdeckt den als unangenehm empfundenen Chlor-Geruch und, dass sich die Haut weniger klebrig anfühlt.

Fazit

Ich bin nicht die erste, die das Produkt unter die Lupe nimmt und im Netz gibt es einige Berichte dazu (6, 7).
Zeitersparnis? Nicht wirklich, wenn man den Warnhinweis ernst nimmt und nach dem Duschen erst mal die Dusche putzt.
Pflege? Der Marktführer wirbt mit 24h+ Feuchtigkeit, die Haut fühlt sich auch ein bisschen anders an als ohne In-Dusch Produkt, aber bei weitem nicht so gepflegt wie mit einer richtigen Lotion / Milk. Aber Messergebnisse gibt’s bestimmt….
Nachhaltigkeit? Wo bleibt der Rüffel von Ökotest? Denn das wenigste vom Produkt bleibt auf der Haut, das meiste fließt ins Gulli.
Erschwerte Bedingungen? In der Schwimmbaddusche performte das Produkt besser als in der heimischen. Hier wird das Wirkversprechen „Formel wird durch Wasser aktiviert“ eingelöst.

Na gut, denke ich mir. Man muss das Produkt vielleicht nicht auf nasser Haut verwenden. Ganz nachhaltig reibe ich es mir also auf meinen trockenen Arm – und bin geschockt – es fühlt sich an wie – Schuhcreme!

Literatur

(1) Morgenrituale
(2) Geistesblitze
(3) Was die Deutschen im Bad machen
(4) Pinkmelon Forum Pflegeroutine
(5) Pinkmelon Testberichte zu In-Dusch Produkten
(6) Produktvorstellung
(7) Relevanzcheck

Fotos:
©iStock.com/eldinhoid
„Warnhinweis“: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu
„Vorsicht“ aus Testbericht von Nani90

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 21. Februar 2017
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 1486 mal gelesen.

Eine Antwort zu “Sind In-Dusch Produkte wirklich gut?”

  1. Ninore

    Danke, liebe Ghita-Yu! Meine Empfindungen waren ähnlich und jetzt kann ich mir das Geld wirklich sparen und es für eine gute Bodybutter ausgeben. Und die glitschige Dusche war wirklich gefährlich. Und wenn man die Dusche aus Zeitgründen morgens nicht gleich geputzt hat, war es abends leider auch …. wie Schuhcreme!

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