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Sollte ich meine Sommersprossen wirklich entfernen?

Gibt es etwas Attraktiveres als rothaarige Frauen mit blassem Teint? Maria Magdalena, die Venus von Botticelli, Königin Elizabeth I und unzählige Stars der Neuzeit. Das Leben könnte so schön sein, wären da nicht die Sommersprossen! Und damit mutiert die Schönheit sofort zu Pumuckl, von Nicole Kidman zu Pippi Langstrumpf.

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©iStock.com/NinaMalyna

Da kann der Sommer so schlecht gewesen sein, wie er will. In der Regel reicht ein Sonnentag und schon sprießen sie – die Sommersprossen. Viele finden sie niedlich, doch die, die sie haben, wollen eigentlich nur eins: sie loswerden. Sommersprossen treten nicht nur im Gesicht auf, auch am Hals, auf Dekolleté, Schultern, Armen, Beinen, Bauch, überall können sie sich tummeln. Doch die gute Nachricht ist: Sommersprossen sind nicht schlimm, im Gegensatz zu Leberflecken können sie nicht entarten.

Sommersprossen – eine Form der Pigmentstörung

Sommersprossen gehören zu einer Form der Pigmentstörung und ihr medizinischer Name klingt ausnahmsweise mal nicht furchterregend, sondern mehr wie ein Sternbild am nächtlichen Sommerhimmel: Ephelides. Auch sonst sind Sommersprossen anders als andere Pigmentstörungen: Melasma oder auch Schwangerschaftsmaske trifft vor allem dunkelhäutigere Frauen in der Schwangerschaft oder, wenn sie hormonell verhüten. Lentigo, Altersflecken treffen, wie der Name schon sagt ältere Menschen, hauttypunabhängig.
Alle gemeinsam haben sie, dass die Melanozyten das Melanin, den körpereigenenen Sonnenschutz, ungleichmäßig verteilen.

Sommersprossen und das „ginger gene“

Melanozyten sind dendritische Zellen (heißt sie haben Fortsätze und sehen ähnlich aus wie ein Octopus), in den Melanosomen am Ende dieser Fortsätze wird Melanin gespeichert und bei Bedarf in die Keratinozyten an und in der Nähe der Basalschicht (unterste Schicht der Epidermis) abgegeben.
Sonnenlicht stimuliert die Melaninsynthese. Üblicherweise werden zwei Sorten Melanin gebildet:  Eumelanin (braun-schwarz) und Phaeomelanin (rot-gelb). Neueste Untersuchungen an Rothaarigen ergaben nun, dass es eine Variation am Chromosom 16 gibt, das MC1R-Gen,  das sogenannte „ginger gene“,  die dafür verantwortlich ist, dass Eumelanin (fast) nicht gebildet wird. Dieses „Gen“ weist eine hohe Korrelation mit roten Haaren, heller Haut – und Sommersprossen auf. In der aktuellen Forschung über Melanome (schwarzer Hautkrebs) wird die Beteiligung dieses Gens an der Entstehung oder Begünstigung von Melanomen überprüft. Doch es ist auch hier wie im richtigen Leben: eine Ursache alleine reicht nicht aus, denn Melanome treten auch bei dunkleren Hauttypen auf.

Sommersprossen treten nicht nur bei Hellhäutigen auf

Genauso sind auch Sommersprossen nicht alleine bei Hellhäutigen zu finden. Afrikaner und Asiaten, auch sie können Sommersprossen haben. Dabei sind dunkle Flecken – wie dunkle Haut insgesamt – für Asiatinnen der kosmetische Super-Gau. Denn Flecken werden mit Schmutz und Unreinheit assoziiert und vermindern die Chancen am Heiratsmarkt und auch im Job. Gleichzeitig  sind sie ein Zeichen des Alterns und frau tut alles erdenkliche, um diese Flecken los zu werden.

Mit Hautaufhellern kriegt man sie (fast) weg

Die gute Nachricht: Natürlich kann man Pigmentflecken mildern. In der Apotheke gibt es verschiedene kosmetische Produkte gegen Pigmentstörungen. Meist wird ein Tyrosinase Hemmer (Tyrosinase ist ein Enzym, das zur Bildung von Melanin gebraucht wird) mit einem Keratolytika (Hautabschilferungsmittel, z.B. AHA) und einem hohen Lichtschutzfaktor kombiniert. Früher wurde gerne Hydrochinon als Tyrosinase Hemmer verwendet, dieser Stoff ist aber aufgrund seines Potentials zur Hautsensibilisierung in Europa verboten. Um eine Aufhellung zu sehen, müssen diese Produkte aber mindestens 4 Wochen verwendet werden, denn das ist der normale Zyklus der Hauterneuerung.
Wem eine Creme nicht reicht, der kann  versuchen mit Laser, Peeling oder Kryotherapie seine Sprossen loszuwerden.
Aber ganz ehrlich, ich würde es nicht tun.

Mut zum Individualismus

Schöne Haut ist nicht nur eine Frage der Pigmentierung, wichtig ist auch, dass sie gepflegt und ihre  Struktur gesund ist. Wir leben in Europa und im 21. Jahrhundert, muss man sich da noch an archaischen Maßstäben messen?
Wem die Sprossen zu viel sind, der kann sie überdecken, gute Make-ups gibt es genügend. Auch kann man Fotos nachbearbeiten, der professionelle Fotograf macht es bei Bewerbungsfotos sowieso und viele hochbezahlte Models haben in Wirklichkeit Sommersprossen – auf Fotos weg gepixelt. Dabei sind Sommersprossen jetzt  schwer im Kommen und in vielen Zeitschriften sind die Models mit ihrer Originalhaut abgebildet. Zweiflern empfehle ich nach den Bildern von Reto Caduff zu googeln. Makellose Schönheit ist eins – ein faszinierendes Gesicht was anderes.

Foto: ©istockphoto.com/NinaMalyna

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

 

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 18. September 2012
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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