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Über das Suchtpotential von Kosmetika

Eine Sucht, eine Abhängigkeit wie von Heroin, Ecstasy oder wer-weiß-was für neue Modepillen - jetzt auch von Kosmetika? Bestimmte Lippenpflegestifte hatten ja schon immer diesen Ruf, aber gibt es das wirklich? Süchtig machende Kosmetika?

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Ich dachte in meinem Alter hätte ich das alles schon probiert und mich würde so schnell nichts überraschen. Doch dann erhielt ich beim Kauf eines Waschgels ein kleines Alu Tütchen, ja so eines, wie es gerüchteweise auch von Dealern den ahnungslosen Jugendlichen untergeschoben wird. In meinem Fall enthielt es eine Creme und nun war es in meinem Bad…

Proben im Alusachet – ein normales „product placement“

Natürlich hatte ich vorher den Packungstext gelesen und mich königlich amüsiert, denn es war zur Reduktion von starken Falten gedacht – da hatte mir die Verkäuferin wohl was Gutes tun wollen! Außerdem enthielt das Produkt Vitamin C. Ja, und das auch noch in hoher Konzentration! Interessant, dachte ich und hatte unbewusst schon das Tütchen geöffnet. Vorsichtig drückte ich etwas von der Creme heraus und verteilte sie auf meinem Gesicht. Wow, blitzte es durch meinen Kopf, das fühlte sich ja an, als ob ich eine Wolke auf meiner Haut verteilen würde! Ein schöner Gedanke, eine Creme so leicht wie eine Wolke, so reichhaltig wie ein Daunenkopfkissen, nicht fettig und hochwirksam – was hatte ich da genau noch mal ausprobiert?

Doch dann bröselte die Creme wieder von der Haut, ein Phänomen, was immer mal wieder vorkommt, wenn man vorher andere Kosmetika verwendet hat. Und einige Stunden später begann ich zu müffeln. Das Vitamin C oxidierte auf der Haut und gab einen typischen Geruch von sich. Nein, dachte ich, diese Creme ist nichts für mich. Und doch….

Ein Abhängigkeitssyndrom, eine Sucht wird im Gehirn ausgelöst

Einer Sucht geht klassischerweise ein Erlebnis von einem überraschenden und überaus positiven Gefühl voraus, im Hirn wird Dopamin ausgeschüttet, der Glücksbotenstoff, und zwar so viel, dass die Nervenzellen förmlich darin ertrinken. Besonderes Zeichen der Sucht ist, dass das Hirn dann die Dopamintoleranz herunter fährt, weil zu viel Glück eben auch nicht gut ist. Es wird zwar nicht weniger Glücksbotenstoff ausgeschüttet, nur wir nehmen ihn nicht mehr so wahr. Es gibt also kein zweites Erstes Mal. Dennoch verlangt der Körper immer wieder nach diesem Erlebnis, was uns in der Folge immer wieder zu der Droge greifen lässt, in immer höherer Dosis. So lange, bis wir ohne sie den normalen Alltag nicht mehr bewältigen können.

Lippenpflege – eine Art Abhängigkeit?

Auch Lippenpflegestifte gelten ja als süchtig machend. Ich bin viel mit der sogenannten Labello-Sucht konfrontiert worden. Aber ganz ehrlich, beim Auftragen eines Lippenpflegestiftes habe ich noch nie ein Glücksgefühl erlebt. Eher habe ich bei sehr trockenem Wetter das Gefühl: Hilfe! Ich bräuchte jetzt mal einen Fettstift! Das fällt bei mir eher unter Erste Hilfe Maßnahme ….doch jetzt ließ mich die Erinnerung an das daunenkopfkissenartige, wolkige Hautgefühl dieser stinkenden Creme nicht wieder los. War ich schon süchtig? Dann sollte doch der zweite Versuch nicht so angenehm ausfallen wie der erste, oder? Also wiederholte ich die Anwendung, einmal, zweimal , … bis das Tütchen leer war. Meine normale Tagescreme wirkte im direkten Vergleich dagegen nur  dünn und leer. Aber das war doch keine Sucht, nur weil die sensorischen Eigenschaften dieser Creme einfach überragend waren!

Doch was war denn nun der „magische“ Inhaltsstoff? Ich mag es nach den vorhergegangenen Kommentaren zu den Kolumnen mit dem Thema Silikone ja fast nicht sagen: ein Silikon-Polymer. Insgesamt entsprach die gesamte Formulierung also in der Zusammensetzung nun genau dem, vor dem die Silikon-Skeptiker warnen. Sollte ich nun verstopfte Poren bekommen, trockene Haut, Pickel, vielleicht sogar eine Allergie? Oder war ich etwa schon süchtig?

Gestern habe ich mir also eine richtige Packung dieser Creme gekauft – zu rein wissenschaftlichen Zwecken natürlich ….

Foto: ©istockphoto.com/ivanmateev

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 3. April 2012
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 4363 mal gelesen.

2 von 2 Pinkmelianern fanden den Beitrag hilfreich.

Positive Anmerkungen:

  • 2x toller Schreibstil
  • 0x kurz & prägnant
  • 0x sehr ausführlich
  • 0x Inhaltsstoffe genau betrachtet
  • 1x gute Bildqualität
  • 0x viele Detailbilder

Negative Anmerkungen:

  • 0x fehlende Detailbilder
  • 0x keine aussagekräftigen Bilder
  • 0x Text vermittelt nur den ersten Eindruck
  • 0x zu wenig persönliche Erfahrungen
  • 0x Testphase wirkt zu kurz
  • 0x Fazit erscheint nicht schlüssig
  • 0x nicht hilfreich

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2 Antworten zu “Über das Suchtpotential von Kosmetika”

  1. pippasali

    Soweit ich weiß macht paraffinbasierte Lippenpflege ja nicht wegen nem Glücksgefühl süchtig, sondern, weil sie nicht wirklich Feuchtigkeit hinzufügt oder sogar austrocknet, das selbe habe ich auch über Cremes mit hoher Glycerindosierung gelesen…

    Aber wenns nach dem Glücksgefühl geht, bin ich absolut Nagellacksüchtig! Das löst auch zweimal als erstes Mal ein Glücksgefühl aus – beim Kaufen selbst schon und dann beim Tragen 🙂

  2. Xx_Sweety_xX

    Ja, die „Nagellacksucht“ kenne ich auch!!
    Ansonsten.. hmm ich denke nicht.
    Ich bin aber schon ziemlich auf den nähsten Bericht zur Gesichtscreme gespannt (ich hoffe doch, die Geschichte geht weiter)
    🙂

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