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Vitamin A: Wirklich ein perfekter Anti-Aging Wirkstoff?

Unter den Anti-Aging Vitaminen tummeln sich einige bekannte Namen: Vitamin C, E, B3 (Niacinamid) und Vitamin A. Letzteres ist allerdings das bei weitem bestuntersuchte und dokumentierte Anti-Aging Vitamin. Außer zur Faltenreduktion in der Kosmetik wird Vitamin A auch bei der Behandlung von Akne verwendet – von Dermatologen. Und das macht Sinn, denn Vitamin A ist kein perfekter Wirkstoff.

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©iStock.com/curtoicurto

Ich war noch eine junge Produktentwicklerin, als ich Albert Kligman erleben durfte. Er war derjenige, der Vitamin A gleich doppelt patentiert hatte (siehe auch: Das Patent – Innovation im Kosmetiktiegel). Einmal zur Behandlung von Akne, dann knapp 20 Jahre später zur Behandlung von Falten. Photoaging war das Schlagwort, das er damals prägte und in seinem Vortrag sprach er natürlich über die sensationellen Effekte von Vitamin A, das in den USA als Retin-A bekannt ist.

Vitamin A – eine große Familie

Vitamin A gehört zu den fettlöslichen Vitaminen, unser Körper speichert es in der Leber. Mit der Nahrung (Milch, Eier, Innereien, Fischleberöle) nehmen wir in der Regel ausreichende Mengen zu uns und schützen uns so vor Nachtblindheit, grauem Star oder Makula-Degeneration, haben ein gesundes Immunsystem, gesunde Knochen, Haut und Haare. Auf die Haut appliziert hilft es bei Rosacea, Pigmentflecken und Falten. Bei der Behandlung von schwerer Akne (siehe auch: Pickel und Akne) wird Vitamin A sowohl  auf der Haut als auch systemisch als Tabletten erfolgreich eingesetzt.

Zur Gruppe der Retinoide gehören: Tretionin = Vitamin A Säure, Retinal, Retinol, β-Carotin (Provitamin A) und eine Menge synthetischer Vitamin A Derivate – allen voran Isotretionin (siehe Beauty-Lexikon).
Die empfohlene tägliche Aufnahmemenge EU beträgt 800 μg, maximal sollten nicht mehr als 3.000 μg bzw. 10.000 IE (Internationale Einheiten) Vitamin A (Retinol) zugeführt werden.

Erlaubt und verboten

Bei Vitamin A sind ein paar Dinge zu beachten: Nicht jedes Retinoid darf in der Kosmetik verwendet werden, denn Tretionin und Isotretionin sind zugelassene Arzneimittel und haben somit „Kosmetikverbot“.  Unter Aufsicht eines Dermatologen lassen sich aber wirklich gute Erfolge bei Akne erzielen.

Doch Achtung! Nebenwirkungen gibt es einige wie trockene oder dünne Haut. Die allerwichtigste und schrecklichste ist jedoch das teratogene Potential, das Retinode (außer β-Carotin) haben, da sie eine Schlüsselrolle bei der Zelldifferenzierung spielen. Eine Überdosierung hat mit ziemlicher Sicherheit Missbildungen des Ungeborenen zur Folge. Bei einer Aknetherapie mit Vitamin A ist Verhütung also das oberste Gebot.

Vitamin A – der Faltenkiller

Etwa Mitte der 80er Jahre hat man mit systematischen Studien von Tretionin, also der Vitamin A Säure, zur Behandlung von alter Haut begonnen. Besonders bei der sogenannten Licht bedingten Hautalterung (Photoaging), bei der vermehrt das Kollagen abgebaut wird, ist Vitamin A ein hochpotenter Wirkstoff. Es wirkt signifikant gegen feine und tiefe Falten, Hyperpigmentation, verbessert die Hautrauhigkeit und  die Hautdicke. Weiterhin zeigt sich eine klare Dosis-Wirkungsbeziehung, heißt je mehr desto besser. Und je länger die Behandlung, desto deutlicher die Verbesserung (siehe auch: http://www.ncbi.nlm.nih.gov)

Dummerweise sind auch hier Nebenwirkungen wie  Irritation, Erythem, Dermatitis oder  Photosensibilisierung zu beobachten. Deswegen suchte man nach einem guten Vitamin A Analogon mit besserer Verträglichkeit  und hat es gefunden: Retinol. Seine Wirksamkeit ist etwa 20-fach schwächer als die von Tretionin, die Nebenwirkungen aber auch. Da das Retinol, der Retin-Alkohol, in der Haut zur Retinsäure oxidiert wird, ist seine Wirksamkeit stark abhängig von dem Produkt.

©iStock.com/evgenyatamanenko

Produkte mit Retinol

Retinol-Produkte sind keine, die man mal eben im Drogeriemarkt erhalten kann. Preislich bewegen sie sich nämlich von teuer bis sau teuer. Nicht umsonst, denn Retinol ist extrem UV-instabil. Zur Entwicklung eines guten Produktes und einer wirksamen Rezeptur ist also viel Aufwand von Nöten. Üblicherweise wird Retinol aber nicht als Alkohol verwendet sondern als Ester, der dann auf der Packung z. B. als Retinylpalmitate zu identifizieren ist. Die in Europa erhältliche höchste Konzentration ist 0,3 mg Retinol. In den USA sind Produkte mit bis zu 2% Retinol frei verkäuflich erhältlich. Doch auch für Retinol gilt alles für Tretionin gesagte. Inklusive der Regulation.

Wie aber lässt sich nun ein wirksames und gut verträgliches Produkt finden? Dafür empfehle ich allen Interessierten einen Blick in skincareinspirations.com, mit einer  sehr umfassende Darstellung der erhältlichen Produkte oder für eine kurze Übersicht www.brigitte.de.

Europa reguliert Vitamin A nach unten

Bei der Risikobewertung eines Stoffes müssen ganz viele Annahmen getroffen werden, die  unter www.bfr.bund.de beschrieben werden. Die Bewerter kommen daher zum Schluss, dass es besser sei, die  Retinolkonzentration in Kosmetika zu verringern, da die Verbraucher unter Umständen mehrere Retinol Produkte gleichzeitig verwenden.

Sind wir also wirklich gefährdet?

Bei einem Retinol-Äquivalent von 800 μg/ 100 g (und β-Carotin 9,8 mg / 100 g) liegen rohe Karotten beim Gemüse im Pro-Vitamin A Gehalt ganz weit vorne. Die maximal empfohlenen Tagesdosis von 3 mg (=10.000 IE) hätte ich also beim Verzehr von 500 g weit überschritten. Die EU Empfehlung hätte ich mit nur 100 g / Tag gerissen. Ganz düster sieht es aus, wenn ich der Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel  folge, die bei 4,8 mg / Tag β-Carotin liegt. Das hieße 50 g Karotten …. – Ich glaube wir haben ein echtes Problem.

Fotos:
©iStock.com/curtoicurto
©iStock.com/evgenyatamanenko

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 24. November 2015
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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