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Von hart bis zart: Zellstoff, Watte und Nicht-Gewebtes

Tatort Supermarkt: Ich suchte „mein“ Toilettenpapier. Natürlich gab es Toilettenpapier zu Hauf, aber eben nicht meins. So nahm ich denn eine Sorte, die völlig unkonventionell daher kam und statt „super soft“, „streichelzart“ ganz andere Sachen aufgedruckt hatte wie „du kannst mich mal…“.

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©istockphoto.com/raw206

Hygieneprodukte sind die ungekrönten Helden der Kosmetik. Das Tempotaschentuch um überschüssige Lippenfarbe mal eben ab zu küssen, das Kleenex zum Abschminken, der Watterpad zur schnellen Make-up Korrektur und der Q-Tip zur Reinigung der Ohren…. Hygieneprodukte sind so unglamourös wie es eben nur geht, echte Job-Produkte – und werden immer noch billiger angeboten (siehe auch: Meine Produktsuche im Billig-Marken-Dschungel). Obwohl ihre Markennamen zu Synonymen für ganze Produktgruppen geworden sind, fristen sie ihr Dasein im Schatten der bunten Kosmetik. Dabei wäre ohne sie so viel gar nicht möglich! Und bei genauerem Hinsehen offenbaren sich sogar riesige Unterschiede.

Watte

Baumwolle ist der Hauptlieferant von Watte, meist für medizinische Zwecke. Für kosmetische Zwecke tut es in der Regel auch Viskose. Aber Watte nehmen wir gar nicht ernst, oder? In Watte packen, mit Wattebäuschchen werfen – Watte ist weich, superweich und saugfähig. Und echte Fieslinge wissen das zu nutzen: Denn den betäubenden Äther drückt man mittels Wattebausch auf Mund und Nase des Opfers, den Brandsatz kriegt man mit benzingetränkter Watte gut zum Brennen… Diese Beispiele zeigen die Vorteile von Watte: Sie kann Flüssigkeiten in hoher Menge aufnehmen. Das Nutzen wir zu Hause beim Entfernen von Nagellack oder aber, wenn wir mit Kamillentee getränkte Watte auf wunde Hautstellen tupfen. Und das ist auch die eigentliche Herkunft der Watte, aus dem Medizinbereich. Wir würden sie ja gerne zur Entfernung von Make-up verwenden, doch dafür flust sie zu stark: Männer kennen den Trick mit dem Wattebausch, der über Haarstoppeln gestrichen wird. Die hängen gebliebenen Flusen zeigen an, dass die nächste Rasur dringend nötig ist.

Zellstoff – Papier

Natürlich kann ich auch ein Kleenex Tuch oder Tempo verwenden, um mich abzuschminken, oder den Nagellack zu entfernen. Wären diese Produkte nicht  irgendwie kratzig, würde es auch Spaß machen. Für die Nagellackentfernung ist die Saugfähigkeit zu gering. Aber für die Entfernung großer Menge Farbe ist Zellstoff eine gute Wahl (siehe auch: Karneval – richtig abschminken). Zellstoff wird in riesigen Mengen produziert: aus Holzschnitzeln, recyceltem Altpapier oder Sägeabfällen. Und wird zu Papier verarbeitet.

Zellstoffgewinnung aus Holz, Altpapier u.ä., Quelle: http://www.vdp-online.de

Abb: Zellstoffgewinnung aus Holz, Altpapier u.ä., Quelle: http://www.vdp-online.de

Dabei ist die Auswahl der richtigen Holzsorte für das angestrebte Produkt von außerordentlicher Wichtigkeit und wirkt sich auf Reißfestigkeit und Flauschigkeit aus. Und so wundert es auch nicht, dass Produkte aus Zellstoff in unterschiedlichster Qualität zu finden sind.

Zellstoff (Cellulosefasern) eines Papiertaschentuches, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zellstoff

Abb: Zellstoff (Cellulosefasern) eines Papiertaschentuches, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Zellstoff

Gewebte und nicht gewebte Tücher

Die Königsdisziplin der Zellstoffverarbeitung ist die Vliesherstellung. Unter einem Vlies versteht man alle Faserprodukte, die nicht durch weben, wirken, stricken oder flechten hergestellt wurden. Ein Vlies lässt sich im Prinzip aus jeder beliebigen Faser herstellen und das wohl geläufigste Produkt ist der Wollfilz. Papier und Folie zählt man nicht zum Vlies. Ein Vlies lässt sich in allen möglichen Dicken und elastischen Eigenschaften produzieren.  Verwendet werden Vliese (fast) überall. Wattepads z.B. sind Watteschichten gesandwicht mit Cellulosevlies, der unterschiedlich strukturiert sein kann. Oder Einmalwaschlappen, Reinigungstücher, feuchtes Toilettenpapier und, und, und.

Welches Produkt nun für die jeweiligen, sehr persönlichen Bedürfnisse am geeignetsten ist, muss jede selber probieren. Wir jedenfalls haben in einer langen Testreihe nun Einmalwaschlappen für sensible Haut gefunden. Diese lassen sich gut befeuchten und sind sanft und fest zugleich, um die empfindliche Augenpartie meiner Perserkatze zu reinigen. Täglich und ohne Stress.
Toilettenpapier, sorry, ist für kosmetische Anwendungen allenfalls ein Notbehelf.

Foto: ©istockphoto.com/raw206

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 31. März 2015
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 3171 mal gelesen.

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