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Weihnachten unverpackt

Julklapp! Ach, was war das für ein Weihnachtsspaß! Ein winziges Geschenk immer und immer wieder verpacken! Es von zig Leuten – vermeintlich Beschenkten – auspacken zu lassen, bis es dann endlich bei seinem eigentlichen Adressaten landete. Und der ganze Verpackungsmüll dabei!

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Weihnachten unverpackt

Wir machen einfach zu viel Müll! Jeder von uns (1). Rechnerisch 226,5 kg pro Person, Tendenz steigend. Im ganz normalen Leben.

Und viel von diesem Müll ist Plastik und Plastik verrottet nicht. Kunststoff ist eigentlich ein sehr hochwertiger Rohstoff, ihn zu Plastiktüten und -folien zu verarbeiten eine Schande! Nicht nur, dass wir diese nach Gebrauch wegwerfen, sie bleiben auch ziemlich lange in der Umwelt und bedrohen alle Ökosysteme (2).

Abbildung: Lebensspanne von Plastik in seinen verschiedenen Ausführungsformen. Man sieht hier sehr gut, dass die typischen FMCG Produkte nach spätestens 10 Jahren Müll sind. Aus (3).

Abbildung: Lebensspanne von Plastik in seinen verschiedenen Ausführungsformen. Man sieht hier sehr gut, dass die typischen FMCG Produkte nach spätestens 10 Jahren Müll sind. Aus (3).

Besser unverpackt

Unendliche Verpackungen, das ist heute nicht mehr zeitgemäß. Unverpackt-Läden florieren in den Großstädten (4). Die Politik will die Plastiktüte ab 2020 verbieten. Und auch im Kosmetiksektor kann man immer mehr Produkte entdecken, die ohne Verpackung auskommen (5).

Am liebsten, so scheint es, würde man die Produkte lose kaufen, so wie z.B. beim Kosmetikhersteller LUSH. Aber geht das überhaupt?

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Der Sinn einer Verpackung

Verpackung macht in vielen Fällen schon sehr viel Sinn, denn die wenigsten Kosmetika sind schon von sich aus fest und in Stückform zu verkaufen wie Seife. Man unterscheidet dabei
1. Primärverpackung
2. Umverpackung
3. Blister und Hüllen
4. Geschenksets

Die Primärverpackung ist die Tube, der Tiegel, der Spender, in dem das Produkt angeboten und verwendet wird (6). Und sie ist wichtig, damit das Produkt
♦ transportiert werden kann
♦ eine Haltbarkeit von mindestens 30 Monaten hat
♦ vernünftig angewendet werden kann ohne „kaputt“ zu gehen

Die Umverpackung, meist ein Karton, ist gut für die Optik und für Zusatzinformationen, die sich auf dem Primärpackmittel nicht unterbringen lassen, wie z.B. die INCI (7) oder andere Hinweise. Hier kann man sich fragen, ob es die braucht.

Blister werden meist als Diebstahlsicherung verwendet. Sie sind wichtig, um kleine Gebinde wie z.B. Stifte oder Lippenstifte zu vergrößern und damit das Klauen zu erschweren. Sie sind wichtig in SB Bereichen, in einem Unverpackt-Laden mit Thekenverkauf wäre das nicht nötig, rein theoretisch.

Cellophanhüllen, wenn sie denn daraus wären, sind für die meisten Fälle Quatsch. Sie erhöhen nur das wertige Aussehen des Produktes. Denn es knistert so schön beim Öffnen.

Geschenksets, wie sie zu Weihnachten angeboten werden (oder Beauty Boxen), sind aus Sicht der Müllvermeidung eine Katastrophe. Meist sind sie auch teurer, als wenn man die Produkte einzeln kauft (8, 9) Der Differenzbetrag für die Box oder Dose, auch wenn man sie weiter verwenden möchte, ist in der Regel zu hoch.

Verpackungen recyceln

Das Recycling von Verpackungen, also wie beim Mehrwegsystem, oder das Wiederverwenden der Rohstoffe, aus denen sie gemacht sind, sind Möglichkeiten der Müllvermeidung.

Beim Mehrwegsystem spricht dagegen, dass der Gesetzgeber uns Verwenderinnen eine hygienisch einwandfreie Bereitstellung des Packmittels nicht zutraut (10) und auch den Einzelhandel in die Pflicht nimmt. Weiterhin werden viele Kosmetika maschinell abgefüllt und verpackt, die Wiederverwendung des Packmittels ist dabei nicht vorgesehen und kann nicht in den Prozess integriert werden.

Das Recycling der Materialien geht nur dann, wenn es sich um reine Plastiksorten handelt. Meist werden aber für Tuben Mischsysteme verwendet oder in Spendern auch Metallteile verbaut.

Also was tun?

Den Verpackungswahnsinn beenden

Es ist ja im Moment so, dass die BürgerInnen mehr wollen, als die Politik realisiert. Also können wir nur mit unserem eigenen Konsumverhalten dagegen halten und den Wahnsinn wie z.B. hier:

nicht weiter unterstützen. Wir können auch vermehrt Produkte kaufen, bei denen eine Umverpackung unnötig ist, bei der der Hersteller die Rücknahme des Packmittels anbietet oder die Creme gleich selber herstellen (11).

Zu Weihnachten besinnen wir uns vielleicht auf eine alte Tradition und packen die Geschenke
♦ gar nicht ein
♦ in ein Produkt, das einen weiteren Nutzen hat (z.B. Stofftasche, Handtuch)
♦ verwenden altes Geschenkpapier erneut

Natürlich können wir es uns auch leicht machen und einfach Geld verschenken, ein Zeitschriftenabo, CO2 Zertifikate, eine Spende für eine Umweltorganisation oder einfach nichts. Dann haben wir auch endlich die Muße, den Advent zu genießen und können uns am Fest auf Spiele, Gespräche und gutes Essen konzentrieren. Und darauf, mit welchen Methoden man außerdem die Welt verbessern kann.

Literatur

(1) RTL: Müllrekord
(2) WWF: Verpackungswahnsinn vermüllt die Meere
(3) Production, use, and fate of all plastics ever made
(4) Unverpacktladen Mülheim
(5) DejaYu: Stückshampoo
(6) Pinkmelon: Kosmetikverpackung I
(7) DejaYu: INCI
(8) Pinkmelon: Beautyboxen
(9) Pinkmelon: Kosmetikverpackung II
(10) Utopia: Rewe mit eigenem Behälter
(11) ) Pinkemlon: Kosmetik selbstgemacht

Foto: ©iStock.com/Olga Zakharova

Autor dieses Artikels:

Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 3. Dezember 2019
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 368 mal gelesen.

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