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Weihrauch – Schweiß der Götter

Eigentlich ist die Geschichte alt: Die Heiligen Drei Könige haben es schon nach Betlehem mitgebracht, es wurde für liturgische Zwecke verbrannt und ist jetzt in der Kosmetik angekommen: Weihrauch. Das Harz des Olibanum war immer schon sehr kostbar und somit den Wohlhabenden vorbehalten, und eigentlich viel zu schade, um es nur zu verbrennen.

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Weihrauch – Schweiß der Götter

In der ayurvedischen und chinesischen Heilkunde ist Weihrauch schon lange beheimatet. Als Ru Xiang 乳香werden ihm wärmende Eigenschaften zugesprochen (1). Weihrauch besteht aus einem Gemisch aus ätherischen Ölen und Harzen (50-70%), Schleim und Proteinen. Die Zusammensetzung ist abhängig von der Art, der Herkunft und dem Klima, wie bei allen Naturprodukten.

Weihrauch – ein Arzneimittel

Damit Weihrauch als Arzneimittel verwendet werden kann, braucht es eine Spezifikation. Das Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) spezifiziert Indischen Weihrauch (Boswellia serrata) folgendermaßen (2):
• circa 5–9 % ätherisches Öl (α-Thujen, β-Myrcen, p-Cymol, Methyleugenol u. a.)
• circa 15–16 % Harzsäuren (z. B. Boswelliasäuren, Lupansäuren und Tirucallensäuren)
• mindestens je 1 % 3-O-Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure und 11-keto-β-Boswelliasäure
• circa 20 % Schleimstoffe

Weihrauch – duftender Betörer

Dass Weihrauch so gut duftet, liegt an den ätherischen Ölen, die ebenfalls wirksam sind z.B. gegen Ungeziefer. Die benebelnde Wirkung des Weihrauchs wird Incensol zugeschrieben, das auch eine antidepressive Wirkung haben soll. (sieh auch: Parfum – die Chemie des Duftes). Die Boswelliasäuren dagegen sind geruchlos.

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Entzündungshemmende Wirkung von Weihrauch

Weihrauch wirkt als Rauch über die Atmungsorgane, oral als Tablette oder topisch in Cremes. Verwendung oral zur Therapie verschiedener Erkrankungen wie: Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa oder Polyarthritis. Nur der indische Weihrauch ist im Arzneibuch zugelassen (4, 6). In dem Vielstoffgemisch gelten die Boswelliasäuren als die besonders wirksamen Agentien und von ihnen 3-O-Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure und 11-keto-β-Boswelliasäure (Abb. 1).

Abb. 1: 11-keto-ß-Boswelliasäure

Abb. 1: 11-keto-ß-Boswelliasäure, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Fvasconcellos

Diese zeigen in in vitro Untersuchungen ein hohes Inhibitionspotential von 5-Lipoxygenase, die in vielen Entzündungsgeschehen involviert ist (6). Das soll hilfreich sein bei der Behandlung von Psoriasis und Neurodermitis. Und wie es bei Substanzen ist, die gerade „gehypt“ werden – sie sind sozusagen Alleskönner. Weihrauch wird weiter eine anti-cancerogene, anti-mikrobielle, anti-arteriosklerotische und hautaufhellende Wirksamkeit zugesprochen (7).

Weihrauch – der Bestand ist gefährdet

Bei allem Hype: Weihrauch ist ein Baum, der nur in wenigen Gebieten dieser Erde wächst. Das „Ernten“ des Harzes ist mit der Verletzung der Rinde verbunden und kann also nicht dauerhaft gemacht werden, ohne den Baum zu schädigen. Nur, wenn wir sorgsam mit den Ressourcen umgehen, werden wir lange etwas davon haben. Teuer wird Weihrauch also auch weiterhin bleiben.

Literatur
(1) china-park.de: Olibanum
(2) wikipedia.org: Weihrauch
(3) M Leutsch et al., Eine Boswelliasäure aus Weihrauch, Chem. Unserer Zeit (2013) 47, 344-354
(4) pharmawiki.ch: Weihrauch
(5) pharmazeutische-zeitung.de
(6) MZ Siddiqui, Boswellia Serrata, a potential antiinflammatory agent: an overview, Indian J Pharm Sci (2011), 73, 255-261
(7) R Hamidpour et al., Frankincense (乳香 Rǔ Xiāng; Boswellia Species): From the Selection of Traditional Applications to the Novel Phytotherapy for the Prevention and Treatment of Serious Diseases, J Tradit Complement Med (2013), 3, 221-226

Weiterführende Links
boswellia.org/blog/
uni-muenster.de

Foto: ©Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 27. Dezember 2016
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 1261 mal gelesen.

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