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Welchen Lichtschutzfaktor brauche ich?

Der Gesetzgeber ist echt eine Spaßbremse. Da heißt es doch zur Auslobung von Sonnenschutzmitteln: „In den Werbeaussagen sollten Angaben unterbleiben, die geeignet sind, Verbraucher zu exzessivem Sonnenbaden anzuregen.“ Die Angabe „Sunblocker“ ist z.B. nicht zulässig. Was ist dann aber mit Werbung, in der leicht bekleidete (Bikini!) Models Sonnenschutz auftragen?

©iStock.com/popphoto2526

Also, Urlaub gestrichen, denn Sonne ist kein Spaß. Ab zum Teepflücken nach Sri Lanka, als Vermessungsingenieur nach Bolivien, oder Chemiearbeiter ans Tote Meer. Bei diesen outdoor Aktivitäten müsste man endlich guten Gewissens Sonnenschutzprodukte verwenden dürfen. Aber welchen Lichtschutzfaktor brauche ich?

Lichtschutzfaktor – was ist das überhaupt?

In den letzten Jahren sind die Werte der Lichtschutzfaktoren immer weiter angestiegen. Eine Reaktion auf das Ozonloch oder einfach Panikmache? Die Werbeaussagen werden auch immer vollmundiger, entgegen den Empfehlungen des Gesetzgebers (1). Aber wie hoch muss der  Lichtschutzfaktor (LSF) oder Englisch: Sun Protection Factor (SPF) sein? Und sollte ich mich gegen das gesamte Sonnenspektrum schützen?
Nun, wer kann denn wirklich sagen, was der Lichtschutzfaktor ist? Eine Prozentangabe? Eine Zeitangabe? Also: Freiwillige vor!

Theoretische Berechnung des Lichtschutzfaktors

Formel: Theoretische Berechnung des Lichtschutzfaktors

Schaut man sich die Formel an, bekommt man schon erst mal kalte Füße: Wann war die letzte Mathestunde? Ist aber gar nicht so schwer: Der Lichtschutzfaktor ist ein Quotient (Bruch) der Gesamtstrahlung zur durchgelassenen Strahlung (T(λ)).Gleichzeitig ist er abhängig von dem Strahlungsspektrum, das den Sonnenbrand erzeugt und dem Gesamtspektrum. Dieses wird mit λ abgekürzt, dem griechischen Symbol für Wellenlänge. (2) Leider funktioniert die Formel nur in der Theorie gut. Lichtschutzfaktoren werden aber in vivo, an lebenden Probanden ermittelt.

Lichtschutzfaktor messen

Was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit etwas komplizierter. Ein US amerikanisches Produkt mit einem SPF von 85, muss diesen in Europa nicht unbedingt erreichen. Das liegt nicht daran, dass hier die Sonne anders scheinen würde, sondern an der Messmethode. Europa hat die Messung des LSF nach ISO 24444:2010 standardisiert, in USA gelten andere Standards. In Japan oder Australien übrigens auch. Und das Ergebnis ist abhängig von der verwendeten Strahlungsquelle und den eingesetzten Filtern, um nur einige zu nennen. Aber eines wird klar, die Wellenlänge der Strahlung ist der Schlüssel zum Verständnis des LSF.

UV B-Schutz – die Zahl auf der Packung

Das Sonnenlicht mit den Wellenlängen zwischen 280 und 320 nm ist dasjenige, welches den Sonnenbrand (Erythem) erzeugt. Es ist auch dasjenige, welches wir brauchen, um Vitamin D zu synthetisieren (siehe auch: Winter – Sonnenlicht – Winterdepression und die gute alte Sonnenbank). Bei der in vivo Bestimmung des LSF wird als Endpunkt der Sonnenbrand gemessen oder, wissenschaftlich gesagt, die minimale erythemale Dosis (MED) ermittelt. Der Quotient wird aus der Dosis der behandelten zu unbehandelten Haut gebildet und ergibt den LSF. Dabei müssen die Hersteller den LSF nach unten abrunden. Eine Person mit einer Eigenschutzzeit von 10 Minuten kann mit einem LSF von 15 also theoretisch 150 Minuten in der Sonne bleiben, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Wohlgemerkt theoretisch.

Tabelle 1: Hauttyp und MED

Tabelle 1: Hauttyp und MED (siehe auch: Pinkmelon Beauty-Lexikon)

UV A-Schutz – Sterne auf der Packung und andere Zeichen

Das Sonnenspektrum hört ja aber bei 320 nm nicht auf, es schließen sich an die Bereiche UVAII und AI, bevor bei 400 nm das sichtbare Spektrum erreicht wird. (siehe auch: Lichtschutzfilter – was sind gute UV-Filter?). UVA-Strahlung wird für die lichtbedingte Hautalterung verantwortlich gemacht und für Photosensibilisierungen. Der UVA-Schutz lässt sich sowohl in vivo als auch in vitro ermitteln. Der UVA-Schutzfaktor sollte mindestens 1/3 des LSF betragen. Wenn das Produkt dieses Kriterium erfüllt, trägt es in Europa dieses Zeichen:

UVA

Kauft man seinen Sonnenschutz in England, sind dort bis zu fünf Sterne abgebildet, in USA bis zu vier und in Japan bis zu drei Pluszeichen. Unser Produkt mit LSF 15, sollte also mindestens einen UVA-PF von 5 haben.

Immune Protection Factor (IPF)

Da Sonnenlicht auch die Immunantwort verringert, werden zunehmend auch Schutzfaktoren dagegen diskutiert. Allerdings korrelieren die in vivo bestimmten Faktoren nicht mit dem LSF. Man vermutet eher eine Korrelation mit dem UVA-Schutz. (3)

Guter Sonnenschutz

Heute weiß man, dass der Schutz alleine gegen den Bereich UV B nicht ausreicht. Selbst ein Produkt, das hohe Mengen UV B  Filter enthält und somit also einen hohen LSF hat, wirkt in der Praxis nicht so gut wie im Test. Das liegt an den Tests, die generell Strahlungsquellen verwenden, die mehr UV B emittieren als das normale Sonnenlicht beinhaltet. Neueste Untersuchungen zeigen, dass Produkte, die das Sonnenspektrum gleichmäßig abschwächen, insgesamt auch eine bessere Schutzwirkung haben. Damit ist ein verlässlicherer Schutz unabhängig von Jahreszeit und Aufenthaltsort gegeben und schließt damit einen Schutz gegen die langwelligeren Strahlungen mit ein. (3)

LSF und Schutzwirkung

Tabelle 2: LSF und Schutzwirkung

Die allermeisten gängigen Sonnenschutz-Produkte bieten einen ausreichenden Schutz (4) und es ist somit letztlich eine Frage, wieviel Geld man für den Sonnenschutz ausgeben möchte.
Dennoch, bei starker Strahlung (UV Index  in den Wettervorhersagen abfragen!! (5)) oder langem Aufenthalt in der Sonne reicht (reichliches) Eincremen alleine nicht (siehe auch: Echte-Matheaufgabe – wieviel Produkt trage ich auf welchem Krperteil auf?). Hut, Sonnenbrille und ein leichtes, langärmeliges Hemd sollte man immer dabei haben, damit einem der Spaß an der Sonne nicht verdorben wird.

Apropos Spaß: Den sollte es ja nicht machen. Also, wenn man dann z.B. als Strandwache an der Nordsee arbeitet – dieses Jahr trägt man am besten wasserfeste Produkte und Ostfriesennerz.

Literatur

1. www.ikw.org
2. de.wikipedia.org
3. U. Osterwalder, B. Herzog, Sun protection factors: world wide confusion, BJD 161, 13-24 (2009)
4. www.test.de
5. kunden.dwd.de

Foto: ©iStock.com/popphoto2526

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 12. Juli 2016
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 1294 mal gelesen.

2 von 2 Pinkmelianern fanden den Beitrag hilfreich.

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  • 2x toller Schreibstil
  • 0x kurz & prägnant
  • 2x sehr ausführlich
  • 0x Inhaltsstoffe genau betrachtet
  • 1x gute Bildqualität
  • 1x viele Detailbilder

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  • 0x zu wenig persönliche Erfahrungen
  • 0x Testphase wirkt zu kurz
  • 0x Fazit erscheint nicht schlüssig
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Eine Antwort zu “Welchen Lichtschutzfaktor brauche ich?”

  1. fabiane

    Vielen Dank für den tollen Bericht

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