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Körper ohne Haare

Lästige Haare sind jetzt im Sommer besonders blöd. Wer will schon seine Schambehaarung aus dem Bikinihöschen blitzen lassen, mit unrasierten Beinen am Pool chillen oder gar mit den sprichwörtlichen „Vogelnestern“ unter den Achseln im ärmellosen Kleidchen einen Flirt beginnen? Während die Haare auf dem Kopf üppig und lang sein dürfen, gilt für den Rest des Körpers das Gegenteil: am besten keine und das für möglichst lange Zeit.

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Zwar wissen wir, dass der Mensch nicht vom Affen abstammt, dennoch gilt als schön, was uns Menschen möglichst weit entfernt von unserem nahen Verwandten. Fehlende Rücken- und Beinbehaarung,  gerade, lange Beine und aufrechter Gang, ein fast rundes, eher flaches Gesicht. Und auch „Barbie“ kommt eigentlich mit allem daher, was wir als „menschlich“ schön empfinden….

Sexy oder eklig?

Die „Mode“ des Entfernen des Körperhaares ist aus den angelsächsischen Ländern zu uns geschwappt, wo –  allen voran in den USA – zu den Proms, dem Abschlußball der High School, ein Aufwand betrieben wird wie zu orientalischen Hochzeiten. Wer es nicht tut, der/die wird  mit shitstorm-artigen Schmährufen bedacht.

Als Nena 1983 das erste Mal das Lied von 99 Luftballons sang, wurde in der angelsächsischen Presse nicht ihr Talent, sondern die Behaarung ihrer Achselhöhlen diskutiert.
Dabei war es vor 30 Jahren in Deutschland noch absolut „normal“ als Frau mit unrasierten Achseln (und Beinen) herum zu laufen. Heute ist dieses völlig undenkbar. Frau will sauber sein, die Haut glatt und makellos und auch die Männer tragen immer weniger Haar am Körper.

Abschneiden oder ausreißen?

Bei der Haarentfernung kann man wählen zwischen ausreißen oder abschneiden. Bei ersterer Methode wird das Haar an der Wurzel entfernt. Das ist schmerzhaft, aber da das Haar eben an der Wurzel entfernt wurde, dauert das Nachwachsen bis zu vier Wochen. Nachteilig kann allerdings sein, dass die Haut durch die Prozedur ziemlich gereizt ist, das Haar beim Nachwachsen einwachsen kann oder sich der Haarbalg entzündet. Und für das erneute Entfernen braucht es eine gewisse Haarlänge, weswegen es eine „stoppelige Phase“ gibt, die auch nicht jede schön findet. Als Produkte bieten sich an: Kaltwachsstreifen, Heißwachs oder ein Epiliergerät.

Ein gleichmäßigeres Ergebnis erzielt man in der Regel mit der Methode „Abschneiden“, wobei das Resultat nur ein bis drei Tage hält, danach muss sie wiederholt werden. Es bieten sich die chemische  mit einer Epiliercreme oder die mechanische mit dem Rasierer an.  In einer Epiliercreme sind Salze der Thioglycolsäure enthalten, die die Schwefelbindungen im Haar lockern, nach einigen Minuten Einwirkzeit kann das Haar dann mit einem Schaber entfernt werden. Die Creme wird dann am besten unter fließend Wasser entfernt.
Die mechanische Methode gelingt mit der Rasierklinge optimal. Und nicht wenige Frauen bedienten (und bedienen sich noch) an dem Vorrat ihrer Männer. Vor ca. 15 Jahren gelang dann Gillette der Coup der Verdoppelung des Umsatzes mit Rasierern als sie den Fokus vom männlichen Kinn auf den weiblichen Intimbereich richteten.  Dabei benannten sie den Rasierer einfach um: Aus Mach3 wurde Venus.

Hygiene oder Körperwahn?

Gerade jetzt zu den olympischen Spielen wirbt eben genannter Hersteller von Klingen und Rasiersystemen damit, dass glattrasierte Körper medallientauglich sind: nicht weil sie besser aussehen, sondern weil im Wasser der Widerstand reduziert wird – und schließlich geht es im Hochleistungssport um Hundertstelsekunden.
Ob nun aus sportlichen Gründen, religiösen oder hygienischen – die Haarentfernung am Körper ist ganz klar sozialen Normen unterworfen. Vielleicht könnte man Körperhaare noch im positiven Sinne als Zeichen einer geheimnisvollen, animalischen Geschlechtlichkeit sehen, meistens sind sie aber ein Zeichen von Ausgrenzung: Hippies und Lesben rasieren sich nicht und: es ist schlicht unweiblich. Fachleute diskutieren, dass das Rasieren der Frauenkörper ein Resultat der Emanzipierung ist, denn wo Geschlechterrollen fallen, müssen neue Grenzen gesetzt werden. So wird weiblich mit „ohne Körperhaar“ und männlich mit „mit Körperhaar“ gleich gesetzt.

Im Vorwege des Eurovision Songcontests diesen Jahres führte die Begeisterung einer Zuschauerin in Schweden zu einer nationsweiten Debatte über Achselhaare: http://www.taz.de/!89683/ und im Netz mehren sich kritische Kommentare zur Körperrasur als patriarchalische Unterdrückung. Siehe auch http://irrliche.org/politische_kritik/achselhaare_rasur.htm#fragestellungen.

Ist die Revolution unrasiert? Haben wir in 30 Jahren eine andere Körpermode entdeckt? Oder halten wir es einfach mit Goethe? Erlaubt ist, was gefällt.

Foto: ©istockphoto.com/EvgenyKostishin

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie vier Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 24. Juli 2012
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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