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Allzweckcreme – für jeden Zweck geeignet?

Sie sind billig, überall zu haben und können (fast) alles. Sind sie auch gut? Für die Haut? Und warum haben wir sie eigentlich noch im Badezimmer, wo es doch Tausende andere Spezialprodukte gibt? Die Allzweckcreme ist nicht die Wunderwaffe gegen Falten, sondern gegen die kleinen Attacken des Alltags.

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©iStock.com/iprogressman

Sie haben (Marken-) Geschichte geschrieben, uns begleitet von Kindesbeinen an und ihr Duft ist uns sehr vertraut. Sie sind die Retter in der Not: zum Abschminken und Pflegen gleichermaßen geeignet, cremen schon mal einen Kratzer auf der teuren Lederhandtasche weg und entfernen hässliche Teerflecken von den Füßen nach dem Strandspaziergang. Sie pflegen unsere Hände nach dem Abwasch, machen lästige Hornhaut weich und ja – auch das – kommen immer mal wieder auf die Lippen.

Verbraucherbedürfnisse verändern sich

Früher sollten Cremes vorwiegend schützen, ihr sichtbarer Effekt auf der Haut, das sogenannte Weißeln, war erwünscht und ein Zeichen der Wirksamkeit. Heute will man seine Creme nicht mehr lange  einmassieren, sondern leicht und schnell verteilen (siehe auch: Sensorische Eigenschaften von Kosmetika). Weißeln ist out und eine moderne Hochleistungscreme soll nicht nur unsichtbar sein, sondern auch kaum zu fühlen. Ein fettig aufliegendes Hautgefühl finden wir heute also auch nicht mehr gut. Eine Allzweckcreme, so wie früher, hat also ein mehr als altbackenes Image.

Die Wirksamkeit

Für alle Pflegecremes gilt, dass sie ihre Wirksamkeit in puncto Hautpflege beweisen müssen – im Fachjargon auch claim support. Darunter versteht man die sogenannte Hautbefeuchtung, meistens auch die Hautglättung und manchmal auch die Verbesserung der Barriere Eigenschaften der Haut. Diese Parameter werden in vivo, also an lebenden Personen, gemessen, die sich als Freiwillige mit derartigen Tests ein kleines Zubrot verdienen. Die Messungen selber sind technisch nicht ganz ohne, weswegen in den meisten vergleichenden Untersuchungen „nur“ die Hautbefeuchtung gemessen wird. Bei solchen Tests läuft ein „Standard“ mit, ein für in vivo Untersuchungen sehr sinnvolles Verfahren. Dieser Standard sollte nun weder zu gut noch zu schlecht sein und möglichst immer in gleichbleibender Qualität verfügbar: die Allzweckcreme!

Die Marketingstory und unsere Sehnsucht nach Gestern

Es gibt wohl keinen BWL Studenten, dem im Studium nicht der „Klassiker“ und  seine Erfolgsgeschichte vom Tiegel zur Dachmarke begegnet. Dieser Klassiker ist vor ein paar Jahren Hundert Jahre alt geworden und gehört irgendwie zur Grundausstattung jedes Badezimmers.  Wir kennen seinen Duft seit unserer Kindheit und nicht nur wir – unsere Eltern und Großeltern auch! Und natürlich wird er kopiert und verbessert, vorsichtig adaptiert und gehätschelt.  Testberichte zu Allzweckcremes dagegen sparen nicht an Kritik: Einsatz von Paraffin- und Silikonölen, Konservierungsmitteln und Parfum.  Ja, aber genau das macht einen Klassiker doch aus, oder?

Allzweckcreme- wirklich für jeden Zweck geeignet?

Eine Allzweckcreme soll, wie der Name sagt, für alles Mögliche geeignet sein. Man wird deswegen darin auch keine Spezialwirkstoffe gegen Falten oder Lichtschutzfilter finden. Als Wirkstoffe finden sich lediglich Glycerin (siehe auch: Gegen trockene Haut – was hilft?) und Panthenol (siehe auch: Wirklich gut für die Haut – Vitamin B und Panthenol). Und natürlich sind die meisten Allzweckcremes konserviert, denn sie werden üblicherweise in einem Tiegel angeboten, in den wir munter mit unseren Fingern hineinpantschen (siehe auch: Konservierungsstoffe in Kosmetika). Die meist übersichtliche Zusammensetzung hat einen Grund, denn eine Creme, die wirklich für jeden Zweck geeignet sein soll,  muss vor allem eines sein: hautverträglich.

Als meine Nichte als Dreijährige meine Handtasche leerte und mit der entdeckten Allzweckcreme nicht nur ihr Gesicht dick einkleisterte, sondern auch alle Puppen damit „pflegte“, konnte ich mein Schwesterchen beruhigen – nicht schlimm!
Allerdings gibt es auch Gelegenheiten, da sind Allzweckcremes nicht zu empfehlen: Z.B. als Gleitmittel (siehe auch: Gleitmittel für Kondome, Toys und guten Sex).

Doch ansonsten sind sie – ob nun soft oder nicht – unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltags.

Foto: ©iStock.com/iprogressman

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 18. August 2015
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

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