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Was beim Blondieren mit dem Haar passiert

Hollywoods bekanntestes It-Girl hatte es getwittert: Blond, mit Foto, kaum wieder zu erkennen. Die Reaktion der Netzwerke kam umgehend. Und dann gehörte das Blond ganz schnell wieder der Vergangenheit an. Beim Haarefärben kann also einiges passieren und manches schief gehen. Wie wird man also richtig blond?

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©iStock.com/ValuaVitaly

Blondinen sind auf der Welt wirklich nicht häufig. Die am weitesten verbreitete Haarfarbe ist schwarz. Was selten ist, galt also lange als schön und Skandinavierinnen, aber auch Russinnen als der Inbegriff der schönen Blondine. Wer sich nun die Karte (Abb.1) genauer ansieht, wird sich wundern, denn auch in Australien gibt es Blondinen. Vor der Besiedlung durch die Europäer! Und es stimmt. Ich habe selber blonde australische Ureinwohner gesehen, konnte es nicht glauben und wurde dann von unseren Freunden aufgeklärt. Insgesamt sind aber nur etwa 2% der Weltbevölkerung im weitesten Sinne blond.

„Weltkarte-Haarfarben“ von Ökologix - Eigenes Werk. Lizenziert unter GFDL über Wikimedia Commons

Abb.1: „Weltkarte-Haarfarben“ von Ökologix – Eigenes Werk. Lizenziert unter GFDL über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Weltkarte-Haarfarben.png#/media/File:Weltkarte-Haarfarben.png

Wie werden Haare blond?

Die Haarfarben entstehen (wie die Hautfarbe auch) durch Melanine. Es gibt dabei zwei Typen: Eumelanin (braun-schwarz) und Phäomelanin (rot). (siehe auch: Lichtschutzfilter – was sind gute UV-Filter?, Ethnic Skin – ist die Haut so anders?, Sollte ich meine Sommersprossen wirklich entfernen?). Ist der Anteil an Phäomelanin deutlich höher als an Eumelanin, entsteht naturblondes Haar. Diese Anlage wird rezessiv vererbt. Das heißt, man kann die Anlage haben (und die eigenen Kinder können blond sein), man selber ist aber vielleicht nicht blond.

Wer nicht warten will, kann die Haarfärbung in die eigenen Hände nehmen.  Das Zauberwort dafür ist Bleichen und es geht um – Chemie!

Wie lassen sich die Haare bleichen?

Da Blond immer schon ein begehrter Farbzustand der Haare war, hat frau seit jeher versucht der Natur nachzuhelfen. Am einfachsten geht das mit Sonnenlicht und jede von uns kennt den meist erfreulichen Nebeneffekt eines Sommerurlaubs: deutlich hellere / blondere Haare. Wenn es aber schnell gehen soll, dann nur mit Chemie.
In den Regalen aller Super- und Dorgeriemärkte lassen sich haufenweise Blondiermittel finden. Und das Schlüsselingredient dafür ist Wasserstoffperoxid: H2O2.

Wie wirkt ein Blondiermittel?

Wasserstoffperoxid alleine ist natürlich noch nicht alles. Doch wer sich versehentlich schon mal was von einer 3%igen Lösung, die üblicherweise verwendet wird, über die Haut gekippt hat, weiß, dass die Entfärbung schnell und effektiv vor sich geht. Wasserstoffperoxid ist das Oxidationsmittel, das dafür sorgt, dass die Pigmente im Haar (auf der Haut oder in industriellen Bleichprozessen) oxidiert und damit farblos werden. In Blondiermitteln werden auch noch Bleichverstärker, Persulfate (kennen wir aus dem Vollwaschmittel) eingesetzt. Im Friseur-Salon werden Wasserstoffperoxid und das Bleichpulver kurz vor der Anwendung miteinander vermischt und aufgetragen. In den handelsüblichen Anwendungen wird der Bleichverstärker meist in Form einer Emulsion, zu der man dann das Oxidationsmittel gibt, angeboten. Häufig werden Blondiermittel nicht allein zum Bleichen, sondern auch mit Haarfarben zum Färben angeboten (wie das funktioniert, werde ich im kommenden Jahr beschreiben).
Für das richtige Färbeergebnis entscheidend, ist die richtige Einwirkdauer (Abb.2), denn wer hier zu ungeduldig ist, erhält statt eines schönen Blonds ein Orangerot. Ein Friseur kann das natürlich mit weiteren Färbetechniken korrigieren, zu Hause klappt das aber eher nicht.

Abhängigkeit der Haarfarbe von der Einwirkdauer des Bleichmittels

Abb.2: Abhängigkeit der Haarfarbe von der Einwirkdauer des Bleichmittels

Blond und dann?

Blondierte Haare sind leider geschädigt, denn die Melanine werden aus der Haarmatrix bei dem Oxidationsprozess herausgelöst. Zurück bleiben mikroskopisch kleine Löcher, die zum einen das Volumen des Haares erhöhen, es aber auch strohig machen. Diese Haare brechen leichter ab und sollten mit ausreichend Pflege versehen werden (siehe auch Glänzend schönes Haar). Dies kann über ein geeignetes Shampoo geschehen und / oder eine Spülung oder Haarkur. Auch sollte man nach dem Blondieren nicht gleich seine Haare weiter färben lassen, man hat dann zwar vielleicht den richtigen Farbeindruck, aber definitiv kaputte Haare. Bei denen hilft dann meistens nur die Schere. Eben: Besagtes It-Girl hat die auch verwendet.

Foto: ©iStock.com/ValuaVitaly

Autor dieses Artikels:
Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu ist promovierte Chemikerin und Expertin auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Kosmetika. Sie bringt mehr als 16 Jahre Erfahrung in der kosmetischen Industrie mit sowie sieben Jahre freiberufliche Erfahrung in Shanghai, China und Mülheim adR.

Urheberrecht: Dr. Ghita Lanzendörfer-Yu. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel wurde verfasst am 27. Oktober 2015
von in der Kategorie Geheimnis Kosmetik

Dieser Artikel wurde seitdem 3618 mal gelesen.

Eine Antwort zu “Was beim Blondieren mit dem Haar passiert”

  1. Violette

    Welche Person ist in dem Artikel mit „Hollywoods bekanntestes It-Girl“ gemeint?

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